Stolpersteine

Artur Deichmann

geboren: 14. Februar 1900 in Solingen
gestorben: 14. September 1944 in Bremen

Lebensweg

'Arthur Deichmann in Uniform

Der Maurer Artur Deichmann gehört in der Weimarer Republik der KPD an und ist unter anderem Funktionär des Kampfbundes gegen den Faschismus. Am 6. März 1933 wird er von den Nationalsozialisten in „Schutzhaft" genommen und bis zum 4. April 1934 im Polizeigefängnis Solingen, der Strafanstalt Anrath und in den Konzentrationslagern Börgermoor und Esterwegen inhaftiert. Weitere Schutzhaftaufenthalte folgen. Im August 1937 wird er erneut wegen Verdachts der Tätigkeit für die verbotene kommunistische Gewerkschaft festgenommen und in Solingen, Barmen und Düsseldorf festgehalten; im November aus Mangel an Beweisen aber wieder freigelassen.

Im April 1941 muß er seiner Einberufung zur Luftwaffe Folge leisten. Im Herbst 1943 trifft er auf einer Landstraße bei Bramsche in der Nähe von Osnabrück ein junge Hausangestellte mit einer Fahrradpanne. Während der Reparatur bemerkt er: „Der Krieg ist verloren, daß weiß Hitler auch." Die Hausangestellte erzählt ihrem Arbeitgeber von dieser Äußerung. Dieser fordert sie vergeblich zur Anzeige auf, berichtet dann aber auf einer Zugfahrt von dem Gespräch und wird nun selbst von einem Kriminalbeamten aufgefordert, den Vorfall zu melden. Am 23. Dezember 1943 wird Artur Deichmann von der Gestapo Osnabrück festgenommen und am 14. März 1944 zunächst zu 12 Jahren Zuchthaus verurteilt. Auf Befehl Görings wird das Urteil jedoch wieder aufgehoben und Deichmann am 26. Juni 1944 von einem Feldgericht der Luftwaffe in Berlin zum Tode verurteilt. Deichmann wird am 14. September 1944 in Bremen-Osterholz erschossen.

Der Denunziant steht 1950 vor Gericht und wird freigesprochen. Die Tat sei mit der Untersuchungshaft von sechs Monaten ausreichend gesühnt.

In seinem letzten Brief schreibt Artur Deichmann an Frau und Kind: „Es ist alles gekommen, wie ich es mir immer gedacht habe.- Fünf Uhr morgens und der Major Meier, der in meinen Verhandlungen Ankläger war, ist gerade fortgegangen. Er sagte mir, daß das Urteil bestätigt ist. - Werde um 7 Uhr erschossen!!!!! Du weißt und alle Geschwister, daß ich mich gerade hinstellen werde. (...) Ihr zwei besten Kameraden. Entschuldige die Schrift. Bin ja etwas erregt. (...) Sitze hier in dem Zimmer, wo Ihr mich besucht habt und denke nur an Euch. Hart bleiben! Auch meine lieben Geschwister. Hätte Euch lieben so gerne noch mal gesehen und Dich gesprochen. - Auf die Frage „Mein letzter Wunsch" - habe ich alles verneint. Ich bin ganz ruhig!!! Halte Dich an meine Kameraden. Bedaure nur, daß ich den Endsieg nicht mehr erlebe!!! Und denke immer an die Menschen, die auch ihr Leben hingegeben haben. Von meiner Schuld brauche ich ja nichts zu schreiben. Man soll mich nur nicht vergessen!!!

Bleibt Du nur so lieb und tapfer, wie Du immer warst und lebe für unseren Jungen. Sage ihm, wenn er groß ist, wer sein lieber, großer Kamerad war und wie er hat sterben müssen. In Euren lieben, teuren Herzen bleibe ich ja immer!!! (...) Werde so aufrecht sterben, wie ich gelebt habe!!!!!"

Text: Armin Schulte

Stand: 16.4.2005

VerlegeortAmtstor 4
StadtteilMitte
Verlegedatum04.04.2007

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