Stolpersteine

Rosa Frankenstein

geborene Kahn
geboren: 4. Juni 1873 in Eschwege
gestorben: nach 29. Juni 1943 im KZ Sobibor

William Frankenstein

geboren: 4. Dezember 1870 in [Lüdge-] Rischenau / Hannover,
gestorben: nach 29. Juni 1943 im KZ Sobibor

Lebensweg

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William Frankenstein und seine Frau Rosa Kahn, beide jüdischen Glaubens, leben nach ihrer Heirat zunächst in Eschwege bei Kassel, der Heimatstadt Rosas. Dort kommen auch die Töchter Alice (20. Dezember 1896) und Erna (22. Januar 1898) zur Welt. 1899 zieht die Familie nach Solingen, wo vier Jahre später Sohn Herbert geboren wird (8. Mai 1903). In Solingen eröffnet William Frankenstein Ende 1899 in der Kaiserstraße 111 das Warenhaus W. Frankenstein, das Haus- und Küchengeräte sowie Spielwaren führt und vor 1933 durchschnittlich etwa 25 Angestellte hat. 1904 heiratet auch Rosas Schwester Jenny Kahn einen Solinger. Sie ehelicht Max Heimann, den Geschäftsführer und späteren Besitzer des Textilgeschäftes W. Oppenheimer. 1914 erhält Rosa Frankenstein im Geschäft ihres Mannes William Prokura.

Im Ersten Weltkrieg wird William Frankenstein als Soldat eingezogen. Nach dem Kriege engagiert er sich aktiv in der Synagogengemeinde, deren Vorstand er bis zu seiner Auswanderung als Schatzmeister angehört. 1921 heiratet die älteste Tochter Alice den in Brasilien lebenden Kaufmann Alfred Joseph (geboren am 22. Oktober 1922 in Mainz) und zieht mit diesem noch im selben Jahr nach Rio de Janeiro. Sohn Herbert tritt nach dem Abitur am Gymnasium Schwertstraße und einem zweijährigen Aufenthalt in Gelsenkirchen 1922 in das elterliche Geschäft ein, für das später auch Tochter Erna tätig wird. 1925 heiratet sie in Solingen Artur Hoffmann (geboren am 3. November 1892 in Lohmar) und zieht mit ihm nach Köln-Ehrenfeld. Am 19. April 1927 wird dort die Tochter Lore-Alice geboren. Ab 1932 leitet Artur Hoffmann dann die neueröffnete Filiale des Frankensteinschen Geschäftes in Opladen, wobei ihn seine Frau in der Geschäftsführung und im Verkauf unterstützt.

Durch den nationalsozialistischen Judenboykott erleidet das Warenhaus Frankenstein ab 1933 schwere Einbußen. Am 5. Januar 1935 zieht das Ehepaar Frankenstein aus dem Geschäftshaus Hauptstraße 118/120 in die Elisenstraße 10. Im September 1935 wird das Geschäft in eine Kommanditgesellschaft umgewandelt, in das Erna Hoffmann und der seit 1934 mit Ruth Frank (geboren am 28. Oktober 1912 in Siegen-Weidenau) verheiratete Herbert Frankenstein als persönlich haftende Gesellschafter mit einer Einlage von je 10.000 RM aufgenommen werden. Im August 1936 muss dann der Geschäftsbetrieb eingestellt werden. Das Warenhaus wird im September 1936 abgemeldet.

Bereits im November 1936 wandert Sohn Herbert Frankenstein mit seiner Familie in die USA aus, wo er später den Geburtsnamen seiner Frau annimmt. Gleichzeitig mit der Geschäftsaufgabe ziehen Erna Hoffmann und ihr Mann Artur im August 1936 zu den Eltern Frankenstein in die Elisenstraße. Ihre Tochter Lore-Alice muss die Grundschule in Opladen verlassen, vorübergehend kann sie noch die Jüdische Schule in Düsseldorf besuchen. Nach einer Inhaftierung emigriert Arthur Hoffmann dann im Februar 1937 nach Brasilien, Frau Erna und Tochter Lore-Alice folgen ihm Ende 1938 von Hamburg aus nach. Sie reisen in der Mittelklasse des Dampfers S.S. General Osorio der Hamburg-Südamerika-Linie, ihr Umzugsgut ist in sieben großen Kisten und Schiffskoffern verstaut.

Die Eltern Frankenstein erleben im November 1938 das Grauen der Reichspogromnacht, während der ihr gesamter Hausrat zertrümmert wird. Das Grundstück ihres Geschäftshauses müssen sie Ende 1938 verkaufen. Im April 1939 gelingt ihnen die Emigration in die Niederlande nach Den Haag. Das Haus in der Elisenstraße 10 wird noch 1939 zu einem sogenannten Judenhaus, in das vorübergehend mehrere Solinger Juden eingewiesen werden.

Für das Ehepaar Frankenstein führt nach Kriegsausbruch kein Weg mehr von den Niederlanden zu ihren Kindern nach Übersee. Sie werden 1943 von deutschen Truppen aufgegriffen und am 29. Juni 1943 von Westerbork, dem berüchtigten Durchgangslager im Nordosten der Niederlande, aus in das Vernichtungslager Sobibor deportiert. Dort verliert sich ihre Spur. Nach holländischem Recht wird der dritte Tag nach der Deportation als Todestag angenommen, nach deutschem der 8. Mai 1945.

Text: Armin Schulte

Stand: 18.3.2009

VerlegeortElisenstraße 10
StadtteilMitte
Verlegedatum04.12.2008

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