Stolpersteine

Hermann Friedberger

geboren: 15. Juni 1880 in Solingen
gestorben: 6. Mai 1942 im Vernichtungslager Chelmno

Helene Friedberger

geborene Spanier
geboren: 1. April 1883 in Goch
gestorben: 6. Mai 1942 im Vernichtungslager Chelmno

Gerd Adolf Friedberger

geboren: 14. Januar 1925 in Solingen
gestorben: 6. Mai 1942 im Vernichtungslager Chelmno

Lebensweg

Hermann Friedberger als Schuljunge

Hermann Friedberger nimmt als Soldat am Ersten Weltkrieg teil. Wie sein Vater und sein älterer Bruder Artur (geboren 1876) ist er Versicherungsagent. Mit seiner ersten Frau, der am 19. Oktober 1883 geborenen Minna Stern, hat Hermann Friedberger zwei Kinder: Ruth-Franziska wird 1922, Gerd Adolf 1925 geboren.

Nach Recherchen der Schüler-AG Bunker/Synagoge aus dem Jahre 2001 wird Gerd 1931 in die evangelische August-Dicke-Schule eingeschult, wechselt 1932 auf die evangelische Volksschule Katternberger Straße und 1935 auf das Gymnasium Schwertstraße.

In der Synagogengemeinde bekleidet Hermann Friedberger seit 1937 das Amt des stellvertretenden Vorstehers, später dann das des Schriftführers. Zuletzt ist er „Sachbearbeiter" des „Büros Solingen". Eine seiner Aufgaben besteht darin, vierteljährlich Listen der in Solingen lebenden Juden an die „Reichsvereinigung der Juden in Deutschland" zu senden, die als Grundlage für die Deportationslisten dienen. Nach Hermann Friedbergers eigener Deportation wird Georg Giesenow diese Position übernehmen.

Im Juli 1938 kann die Tochter Ruth-Franziska in die USA auswandern. Ihre Mutter Minna Friedberger stirbt am 4. September 1938 an einer Blutvergiftung und wird auf dem jüdischen Friedhof in Solingen beerdigt. Der verwitwete Hermann Friedberger heiratet am 18. April 1940 in zweiter Ehe Helene Spanier, die vermutlich seit 1939 als Hausmädchen im Haushalt Auf dem Kamp 22 arbeitet.

Nach in der „Heimat" veröffentlichten neueren Erkenntnissen Horst Sassins bereitet sich Gerd Adolf Friedberger, der nach dem Novemberpogrom 1938 die Schule verlassen muss, seit 1940 in Köln, Spreenhagen und dem Landgut Neuendorf als landwirtschaftlicher Praktikant auf seine Auswanderung nach Palästina vor. Die Gestapo hat sich jedoch zu diesem Zeitpunkt bereits die ehemals freiwilligen Lager der Hadschara (der Vorbereitung auf die Auswanderung) unterstellt und setzt die jungen Menschen zur Zwangsarbeit ein. So muss wohl auch Gerd von Neuendorf aus in Pillgram bei Frankfurt an der Oder zwangsweise Arbeitsteinsätze ableisten.

Als Gerd Friedberger im Oktober 1941 brieflich von der drohenden Deportation seiner Familie erfährt, kehrt er nach Solingen zurück. Am 26. Oktober 1941 wird er von dort aus zusammen mit seinem Vater Hermann, dessen Frau Helene und seiner Tante Mathilde Stern (geboren am 4. November 1876) im Sammeltransport von Düsseldorf aus nach Litzmannstadt (Lodz) deportiert.

Erst viele Jahrzehnte später kann das weitere Schicksal der Friedbergers nach Recherchen von Schülern des Solinger Gymnasiums Schwertstraße und ihres Lehrers, Horst Sassin, in Archiven in Lodz (2002) aufgeklärt werden: Danach werden die Solinger in Lodz zusammen mit anderen Deportierten aus Düsseldorf in den zu diesem Zeitpunkt in Massenunterkünfte umgewandelten Volksschulen Fischerstraße 15 und 21 untergebracht, die Friedbergers in Nr. 15. Hermann Friedberger wird im Ghetto weiterhin eine Rente der Allianz-AG überwiesen, die allerdings in spezielles Ghetto-Geld umgewandelt wird. Im Dezember 1941 erhält sein Sohn Gerd sein Arbeitsbuch mit der Nummer 55/921179 zugeteilt. Aufgrund der katastrophalen Lebensbedingungen müssen die Ghettoinsassen zu dieser Zeit bereits sämtliche persönliche Habe verkaufen, um noch an Lebensmittel zu gelangen. Als erste der Familie stirbt am 8. Dezember 1941 Mathilde Stern im Ghetto. Im Januar 1942 wendet sich Hermann Friedberger hilfesuchend an das Büro der Solinger Juden, um Geld vom Ausbildungskonto seines Sohnes zu erhalten. Doch Georg Giesenow kann ihm nur antworten, dass das Geld inzwischen staatlicherseits eingezogen ist.

Den Schülern der Schwertstraße gelingt es 2002 auch, die Umstände der Deportation und Ermordung der Friedbergers aufzuklären: Als Anfang Mai 1942 10.000 aus dem Reichsgebiet nach Lodz deportierte Juden „umgesiedelt" werden sollen, und den ersten Opfern dann auch noch das Gepäck abgenommen wird, breitet sich im Ghetto Panik aus. Neben vielen anderen Menschen protestiert auch Hermann Friedberger mit Verweis auf eigene Krankheit und die Arbeitstelle des Sohnes bei der Straßenbahn gegen die ihn und seine Familie betreffende Entscheidung. Doch die Eingabe bleibt ohne Erfolg. Hermann, Helene und Gerd Adolf Friedberger werden am 6. Mai 1942 in das 60 km nordwestlich von Lodz gelegene Vernichtungslager Chelmno transportiert und dort in einem LKW vergast.

Wie Hermann Friedberger und seine Familie werden auch sein 1926 nach Köln verzogener Bruder Eugen (geboren 1883) und dessen spätere Frau Carola (geboren 1895) 1941 nach Litzmannstadt (Lodz) deportiert, wo sich im Ghetto jede Spur verliert. Friedbergers Schwester Auguste (geboren 1877) „wandert" am 25. März 1942 mit ihrer Tochter Elly und vielen anderen Aachener Juden „nach unbekannt aus". Hermanns Bruder Artur und dessen Sohn Marcel (geboren 1907) gelingt die Flucht nach Belgien, wo zumindest Marcel den Krieg überlebt. Ruth Franziska Friedberger, die einzige Überlebende der Familie Hermann Friedberger, heiratet 1946 in den USA. Unter dem Namen ihres verstorbenen Mannes lebt Ruth Heldmann 1990 in New York.

Text: Armin Schulte

Stand: 5.10.2010

Literaturhinweis
  • Sassin, Horst: Gerd Friedberger, Johanna Sobotki, Emmi Leven - Schicksale in Solingen und Litzmannstadt (Lodz), in: Die Heimat, Heft 21, 2005, S. 52-67.
  • Sassin, Horst: Ein Nachtrag in Sachen Friedberger, in: Die Heimat, Heft 22, 2006/2007.
VerlegeortSchwertstraße / Ecke Werwolf
StadtteilMitte
Verlegedatum26.08.2005

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