Stolpersteine

Eva Friesem

geborene Pütz
geboren: 29. Juni 1865 in Hersel
gestorben: 23. September 1942 im KZ Theresienstadt

Lebensweg

Blick in die Kronprinzenstraße mit Wohnhaus Friesem

Eva Pütz wird in Hersel bei Bonn geboren und im jüdischen Glauben erzogen. Mit ihrem Mann, dem ebenfalls jüdischen „Althändler" Albert Friesem (geboren am 4. Oktober 1862 in Burgbrohl/Kreis Ahrweiler), hat sie fünf Kinder. Die älteste Tochter Paula wird am 25. März 1889 in Köln geboren, Tochter Elfriede am 4. Februar 1891 in Lennep. Die Kinder Hedwig (geboren am 9. März 1895), Alfred (geboren am 18. März 1899) und Walter (geboren am 1. September 1900) kommen in Remscheid zur Welt. Im April 1905 zieht die Familie von Köln nach Solingen und erwirbt in der Kronprinzenstraße 7 ein Haus. Albert Friesem betreibt fortan in der Klingenstadt eine Schrotthandlung.

Als erstes der Kinder verlässt 1910 Tochter Paula das Elternhaus. Hedwig, die sich zwischen 1911 und 1921 als Dienstmädchen in verschiedenen deutschen Städten aufhält, heiratet 1921 den Gastwirt Gustav Blum (geboren am 25. Januar 1879 in Freiburg) und verzieht mit ihm nach Oberhof in Thüringen, wo er ein Hotel übernimmt. In Erfurt wird dem Ehepaar 1926 ein Sohn geboren. Elfriede, in der Einwohnermeldekartei als „Modistin" eingetragen, geht 1922 unmittelbar nach ihrer Hochzeit zusammen mit ihrem Mann, dem Viehhändler Josef Hesse (geboren am 4. September 1888 in Werl), in dessen Heimatstadt. Alfred Friesem, der sich 1914 als kaufmännischer Lehrling zwei Jahre lang in Osnabrück aufhält, verlässt Solingen 1920 mit unbekanntem Ziel. Er wird 1934 für tot erklärt, wobei der Todestag auf den 31. Dezember 1930 festgesetzt wird. Einzig Sohn Walter, in seiner Jugend ein erfolgreicher Langsteckenläufer und Handballer beim BSV Solingen 98, bleibt im Hause der Eltern zurück und lernt vermutlich im Betrieb des Vaters.

Als Albert Friesem am 6. August 1926 stirbt, übernimmt Walter den Schrotthandel des Vaters. Er heiratet die am 4. Oktober 1901 in Polch im Kreis Mayen geborene Selma Hirsch, die 1928 zu ihm und seiner Mutter in die Kronprinzenstraße 7 zieht. Am 20. April 1928 wird die Tochter Helga und am 4. November 1930 der Sohn Albert Josef geboren.

Bis 1933 bietet der Schrotthandel, in der die Ehefrau und wohl auch die Mutter mitarbeiten, der Familie eine Lebensgrundlage. Nach der „Machtergreifung" leidet der Betrieb dann zunehmend unter dem Boykott der Nationalsozialisten. Schon 1934 muss Walter das Geschäft aufgeben, es wird nach seinen Angaben, die er später im Zuge der Wiedergutmachung leistet, von der Fa. Pickard übernommen. Das Grundstück geht vermutlich auf die Stadt Solingen über. Im Juni 1934 meldet sich Walter Friesem in die Tschechoslowakei ab, um sich dort für die spätere Arbeit im Kibbuz als Landwirt umschulen zu lassen. Im Februar 1935 reist er mit seiner Familie über Österreich nach Triest, von wo aus sie mit dem Schiff nach Palästina emigrieren. Walter arbeitet zunächst als Plantagenarbeiter, 1941 meldet er sich als Freiwilliger zur Britischen Armee. In Palästina wird dem Ehepaar ein drittes Kind geboren.

Eva Friesem, bei der seit Juli 1934 wieder ihre Tochter Paula Strauss wohnt, meldet sich 1939 von August bis Oktober nach Köln ab, im Januar und Februar 1940 lässt sie sich dort im Jüdischen Krankenhaus behandeln. Im Juni 1940 reist sie für zwei Monate nach Stuttgart, wo zu dieser Zeit ihre Tochter Hedwig und ihr Mann Gustav leben. Von November 1940 bis Februar 1941 besucht sie in Werl wahrscheinlich ihre Tochter Elfriede. Von Mai bis August 1941 hält sie sich wiederum in Stuttgart auf. Am 17. Oktober 1941 zieht Eva Friesem laut Einwohnermeldekartei zusammen mit ihrer Tochter Paula in die Walder Straße 58 um. Nur wenige Tage später, am 25. Oktober 1941, wird die 76jährige dann zwangsweise im Jüdischen Altersheim in Wuppertal untergebracht, ihre Tochter einen Tag später nach Lodz deportiert. Möbel und Hausrat der beiden werden beschlagnahmt. 1942 verschleppen die Nationalsozialisten Eva Friesem schließlich von Wuppertal aus in das Ghetto Theresienstadt, wo sie am 23. September 1942 stirbt.

Evas Tochter Paula stirbt ebenfalls im Holocaust. Tochter Hedwig und Schwiegersohn Gustav Blum werden laut Informationen der Gedenkstätte Yad Vashem von Stuttgart aus am 1. Dezember 1941 nach Riga deportiert und sterben in Litauen. Beide werden nach einem Nachtrag auf der Solinger Heiratsurkunde später vom Amtsgericht Stuttgart für tot erklärt: Gustav auf den 8. Mai 1945, Hedwigs Todestag wird auf den 1. Dezember 1941 festgesetzt. Der 1926 geborene Sohn der beiden teilt vermutlich das Schicksal seiner Eltern. Laut Yad Vashem wird von Stuttgart aus auch ein Leopold Blum nach Riga deportiert, sein Geburtsjahr wird mit 1926 angegeben. Er kommt in Litauen ums Leben.

Eva Friesems Schwiegersohn Josef Hesse stirbt nach dem Nachtrag in der Heiratsurkunde am 30. Januar 1940 in Werl. Elfriedes Schicksal ist dagegen ungeklärt, ihr Tod wird später vom Amtsgericht Werl auf den 31. Mai 1945 festgelegt. Vermutlich stirbt auch sie durch eine nationalsozialistische Gewalttat.

Sohn Walter Friesem überlebt mit seiner Familie den Zweiten Weltkrieg. Nach seiner Demobilisierung arbeitet er in Palästina als Fuhrmann. 1956 besucht er mit seiner Frau - vermutlich aufgrund offener Wiedergutmachungsfragen - für drei Monate Solingen und hält sich auch später noch öfter in Deutschland auf.

Text: Armin Schulte

Stand: 27.3.2009

VerlegeortKronprinzenstraße 7
StadtteilMitte
Verlegedatum04.12.2008

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