Stolpersteine

Georg Giesenow

geboren: 26. Juni 1870 in Schloppe/Westpreußen
gestorben: 19. April 1943 im Ghetto Theresienstadt

Jenny Giesenow

geborene Dahl
geboren: 14. März 1874 in Geilenkirchen
gestorben: 13. Mai 1943 im Ghetto Theresienstadt

Lebensweg

Montage von zwei Fotos von Georg und Jenny Giesenow

Jenny Dahl wird 1874 als älteste Tochter einer jüdischen Familie in Geilenkirchen geboren. Sie heiratet den Kaufmann Georg Giesenow. Das Paar zieht nach Solingen, wo Georg im Februar 1896 am Entenpfuhl ein Textil-Kaufhaus eröffnet. Kurz darauf lässt sich das Paar in die Solinger Synagogengemeinde aufnehmen. Am 13. Februar 1898 wird die Tochter Else, am 16. Januar 1900 der Sohn Carl geboren. Die Kinder besuchen später das Lyzeum auf der Friedrichstraße und das Gymnasium Schwertstraße und nehmen am Unterricht der jüdischen Gemeinde teil. 1909 übersteht das Geschäft ein Konkursverfahren und wird im April 1910 in das Ladenlokal im Haus des Stempelfabrikanten Kirschbaum an der Ufergartenstraße 28 verlegt. Während des Ersten Weltkrieges wird Georg Giesenow im Herbst 1915 zum Militär eingezogen. Sein Sohn Carl meldet sich Ostern 1916 freiwillig zum Kriegsdienst.

Im Januar 1920 zieht die Familie in die Wupperstraße 51 (1935 in Nr. 23 geändert) um. Tochter Else heiratet im selben Jahr den Großkaufmann Felix Jellinek und lebt seitdem in Aachen. Carl, bereits seit längerem lungenkrank, stirbt am 20. April 1922 in Oberstdorf.

Während Jenny Giesenow dem Israelitischen Frauenverein angehört, wird Georg 1920 erstmals in die Repräsentantenversammlung der Synagogengemeinde gewählt. Zudem übernimmt er in den folgenden Jahren weitere Funktionen in der Gemeinde. Von 1930 bis zur zwangsweisen Auflösung am 3. Oktober 1941 ist er Schatzmeister der Gemeinde. 1937 wird er schließlich zum stellvertretenden Vorsteher gewählt.

Seit 1933 wird es für die Giesenows immer schwieriger, das ehemals gutgehende Einzelhandelsgeschäft für Stoffe gegen den NS-Boykott aufrechtzuerhalten. In der Reichspogromnacht am 9. November 1938 zerstört und plündert die von den Nationalsozialisten aufgewiegelte Menge Geschäft und Privatwohnung. Georg Giesenow muss mehrere Tage im Gefängnis im Stadthaus verbringen. Das Geschäft wird am 31. Dezember 1938 geschlossen.

Verwandte und Freunde der Giesenows nutzen nun letzte Möglichkeiten zur Flucht ins Ausland. Tochter Else lässt die Enkelin Carola am 15. Juni 1939 mit einem Kindertransport nach Belgien bringen. Ihr Mann Felix reist am 15. Juli, sie selbst Anfang September aus. Von Brüssel aus betreiben Tochter und Schwiegersohn vergeblich die Ausreise der Giesenows.

Im Spätsommer 1939 wendet das Solinger Wohnungsamt das neue „Gesetz über die Mietverhältnisse mit Juden" an und quartiert mehrere Solinger Juden in der Wupperstraße 23 ein. Als im Oktober 1941 der bisherige Schriftführer der Synagogengemeinde, Hermann Friedberger, deportiert wird, übernimmt Georg Giesenow von ihm die Verwaltung des „Büros Solingen" der „Reichsvereinigung der Juden". Er übt dieses Amt bis zum Juli 1942 aus.

Am 11. Juli 1942 erhalten Jenny und Georg Giesenow den Deportationsbefehl nach Theresienstadt. Das Reichsicherheitshauptamt hat für den 21. Juli den Abtransport der bisher verschonten rheinischen Juden angeordnet. Am 15. Juli schreibt Georg an Tochter und Schwiegersohn:„ Bald enden die Tage unseres hiesigen Aufenthalts. (...) Macht euch keine Sorgen unseretwegen, der alte Gott lebt noch." Den letzten Abend in Solingen verbringen Giesenows mit Oskar Rieß und seiner Frau, der 1945 von den Amerikanern als Oberbürgermeister Solingens eingesetzt werden wird.

Am 20. Juli 1942 werden Giesenows zusammen mit Samuel Dessauer, Dr. Friedrich Mayer, Dr. Alexander Coppel und Helene Adams vom Steinbecker Bahnhof in Wuppertal aus deportiert. Dort treffen sie die zehn Solinger Bewohner des jüdischen Altenheims in Wuppertal wieder. Mit Viehwaggons geht es nach Düsseldorf-Derendorf. Am nächsten Morgen werden 997 Juden aus dem Rheinland per Bahn nach Osten deportiert. Am 22. Juli trifft der Transport in Theresienstadt ein. Aufgrund der unmenschlichen Lebensbedingungen kommen dort noch vor Einbruch des Winters 1942/1943 sechs der Solinger Deportierten ums Leben. Am 19. April 1943 stirbt Georg, am 13. Mai 1943 Jenny Giesenow.

Else und Felix Jellinek überleben in Belgien den Zweiten Weltkrieg. Ihre Tochter Carola Schlussel, die in Brüssel lebt, besucht später mehrfach Solingen.

Text: Armin Schulte

Stand: 30.5.2005

Literaturhinweis
  • Schwenk, Sebastian; Hager, Marc-René; Sassin, Horst (AG Bunker / Synagoge): Szenische Lesung: „Hier wohnte Frau Jenny Giesenow", in: „... daß ich die Stätte des Glückes vor meinem Tode verlassen müßte". Beiträge zur Geschichte jüdischen Lebens in Solingen, hrsg. v. Manfred Krause / Solinger Geschichtswerkstatt, Leverkusen 2000, S. 103-142.

 

VerlegeortWupperstraße 23
StadtteilMitte
Verlegedatum26.08.2005

Stadtplan