Stolpersteine

Paul Happe

geboren: 22. April 1904 in Solingen-Wald
gestorben: 5. Januar 1942 in Solingen

Lebensweg

Paul Happe wird am 22. April 1904 in Wald geboren. Nach dem Besuch der Volksschule erlernt er ab 1918 das Handwerk des Scherennaglers und arbeitet von 1921 bis 1929 bei verschiedenen Solinger Firmen. Von 1929 bis 1930 ist er als Fräser bei der Firma Walter Gott tätig, bevor er im Zuge der Weltwirtschaftskrise arbeitslos wird. 1929 wird er Vater eines Sohnes.

Politisch ist Paul Happe in der Weimarer Republik für die KPO aktiv, die sich 1929 von der KPD abgespalten hat. Sie tritt für die „Einheitsfront" der Arbeiterbewegung ein und gibt das Informationsblatt „Gegen den Strom" und später die Zeitung „Arbeiterpolitik" heraus. In Solingen hat die Partei im Vergleich zu anderen Städten zwar eine Reihe von Mitgliedern, bleibt aber insgesamt ohne größeren Einfluss.

Von den Nationalsozialisten wird Paul Happe bereits am 2. März 1933 in „Schutzhaft" genommen und bis zum 29. Juni 1933 in Lüttringhausen gefangen gehalten. Doch auch nach seiner Haftentlassung beteiligt er sich weiterhin am Widerstand gegen das NS-Regime. Die Genossen sind jetzt in Fünfergruppen organisiert, von denen jeweils nur eine Person Kontakt zu anderen Gruppen hält. Beruflich bleibt Happe bis 1935 arbeitslos, dann wird er ein halbes Jahr lang als Notstandsarbeiter beschäftigt. Im Mai 1935 heiratet er die aus Wetter stammende Anna Brüggemann, ein 1935 geborener Sohn stirbt nach der Geburt. Im Februar 1937 findet Happe Arbeit als Scherennagler bei der Firma Eyding, im Juli 1937 wird sein dritter Sohn geboren.

Bis 1937 gelingt es der KPO nach der Zeitzeugin Änne Wagner noch, auf Fotopapier im Kleinstformat abgezogene Informationen an die Mitglieder herauszugeben. Ende März 1937 wird das letzte Informationsblatt verteilt. Als am 1. Mai 1937 eine große Verhaftungswelle gegen die KPO in Rheinland und Westfalen einsetzt, gehört auch Paul Happe zu den Festgenommen. Im März und April 1938 wird gegen mehr als 50 Angeklagte der KPO vor dem Oberlandesgericht Hamm verhandelt, das Urteil am 6. April 1938 in Wuppertal gesprochen. Der Hauptangeklagte Dagobert Lubinski aus Düsseldorf erhält zehn Jahre Haft, am 22. Februar 1943 wird er als Jude in Auschwitz vergast. Happe bestraft die NS-Justiz mit vier Jahren Zuchthaus. Neben ihm werden auch seine Solinger Genossen Ernst Friedrich Schmitz, Anton Sliwinski, Walter Rautenbach und der zu dieser Zeit nicht mehr in Solingen lebende Artur Kossack wegen Vorbereitung zum Hochverrat zu langen Haftstrafen verurteilt. Mit diesem und mit zwei Nachfolgeprozessen ist laut den Memoiren von Änne Wagner der Widerstand der KPO in Solingen endgültig zerschlagen. Die Verbindungen nach Berlin und ins Ausland sind unterbrochen, zur Hauptaufgabe der Genossen wird die Unterstützung der Verhafteten und die Betreuung der Familien der Inhaftierten.

Paul Happe verbüßt seine Haft im Strafgefangenenlager II Rollwald, einem 1938 eingerichteten Teil des Lagers Rodgau-Dieburg. Zu einem unbekannten Zeitpunkt wird er in das KZ Aschendorfer Moor, eines der Emslandlager verlegt. Man misshandelt in schwer, eine bereits während der Haft auftretende Rippenfellentzündung wird nicht behandelt, im Gegenteil, er muss weiterhin Schwerstarbeit leisten. Als todkranker Mann wird er mit offener TBC am 12. März 1941 aus der Haft entlassen. Der Entlassungsschein wird in Rodgau ausgestellt.

Zurück in Solingen muss er sich nach späterer Auskunft seiner behandelnden Ärztin, Frau Dr. Erna Rüppel, wiederholt wegen akuter Rückfälle im Krankenhaus behandeln lassen. Im Dezember 1941 trifft ihn die Änne Wagner zufällig auf der Kronprinzenstraße. Happe schildert ihr die sadistischen Späße der Wächter im Emsland: „Sie hatten zwei große englische Doggen, die sie auf die Gefangenen hetzten, wenn diese nicht schnell genug eine befohlene Strecke zurücklegten. Wenn man hinfiel, packten die Hunde zu. So ging es auch mir, weil ich wegen Luftnot nicht schnell genug laufen konnte. Ich lag da, und die Hunde zerfetzten meine Hinterbacken. Ich wurde ohnmächtig, und da ich stark blutete, kam ich ins Revier. Deshalb bin ich vorzeitig entlassen worden." Wagner schreibt weiter: „Ich war entsetzt. Paul ging nach vorne gebeugt, und während er mit mir sprach, bekam er rote Flecken auf beiden Wangen, sogenannte Schwindsuchtröschen. (...) Ich wünschte ihm gute Besserung, obwohl ich ahnte, dass er ein Todeskandidat war. Wenige Monate später starb er im 38. Lebensjahr, buchstäblich zu Tode gehetzt von diesen braunen Bestien."

Am 5. Januar 1942 stirbt Paul Happe an den Folgen einer Tuberkulose. Ursache seines Leidens, so seine Ärztin Dr. Rüppel später, seien einwandfrei Lageraufenthalt und Misshandlungen gewesen. Happes Frau Anna bleibt mit zwei eigenen Kindern und einem Pflegekind alleine zurück.

Text: Armin Schulte

Stand: 6.10. 2010

VerlegeortMangenberger Straße 111
StadtteilMitte
Verlegedatum06.12.2010

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