Stolpersteine

Ernst Hartkopf

geboren: 15. Februar 1907 in Solingen
gestorben: 15. Januar 1943 im KZ Dachau

Lebensweg

Ernst Hartkopf kommt am 15. Februar 1907 in Solingen zur Welt. In seiner Jugend lebt er in Höhscheid, wird aber im Laufe seines Lebens vielfach im späteren Solinger Stadtgebiet umziehen. Wie er später der Solinger Gestapo bei seiner Vernehmung erzählen wird, besucht er vom sechsten bis zum vierzehnten Lebensjahr die Evangelische Volksschule in Höhscheid. Nach der Schule erlernt er keinen Beruf, lässt sich aber nach eigener Aussage zum Klingenhärter ausbilden. Nachdem er bei verschiedenen Solinger Betrieben als Schlägereiarbeiter beschäftigt war, ist er von 1931 bis 1935 erwerbslos. Er verrichtet Notstandsarbeiten für die Stadt Solingen und wird vom Arbeitsamt dann von Oktober 1935 bis März 1936 in ein Aufbaulager nach Hasselbach im Westerwald geschickt, wo er Rodungsarbeiten verrichtet.

Obwohl er vor 1933 keiner Partei angehört und nach eigener Aussage auch nie mit einer linksgerichteten Partei sympathisiert hat, gehört Hartkopf zu einer von den Nationalsozialisten argwöhnisch beobachteten und verfolgten Gruppe von Menschen. Nicht nur, dass er wegen kleiner Delikte, wie etwa Glücksspiel, mehrfach vorbestraft ist, immer wieder gerät er durch unerlaubtes Fernbleiben von der Arbeit in Konflikt mit Arbeitgebern, Behörden und Verfolgungsorganen, vermutlich bedingt durch übermäßigen Alkoholgenuss. Am 14. Juni 1938 wird er von der Solinger Kriminalpolizei als „Arbeitsscheuer" festgenommen und vom 21. Juni 1938 bis zum 26. Mai 1939 in polizeilicher Vorbeugungshaft im KZ Sachsenhausen gehalten. Er gehört damit zu den etwa 9.500 Männer die im Juni 1938 im Zuge der Aktion „Arbeitsscheu Reich", die sich mit ihren Festnahmen gegen „Asoziale", „Arbeitsscheue", Obdachlose, Prostituierte, Homosexuelle sowie Sinti und Roma richtet, festgenommen und in Konzentrationslager eingewiesen werden.

Nach seiner Haftentlassung arbeitet Hartkopf als Pressenarbeiter bei der Firma Max Müller in der Lehnerstraße 4. Nach späterer eigener Aussage vor der Gestapo bleibt er erneut der Arbeit fern, vertrinkt an Freitagabenden seinen Lohn, so dass er samstags nicht zu Arbeit erscheinen kann, oder arbeitet an Samstagen - wiederum seiner Firma unerlaubt fernbleibend - als Ablader am Südbahnhof. Er wird verschiedentlich von seinem „Betriebsführer" verwarnt und vom Treuhänder der Arbeit vorgeladen, setzt aber, wie er es später unter dem Druck der Verfolgungsorgane nennen wird, sein „liederliches Leben" fort.

Am 2. August 1940 beantragt der Reichstreuhänder der Arbeit für das Wirtschaftsgebiet Westfalen-Niederrhein in Essen bei der Düsseldorfer Gestapo die Verhängung von Schutzhaft gegen Hartkopf, da er trotz Verwarnungen auch weiterhin der Arbeit ferngeblieben sei. Am 12. August wird diese zwecks Unterbringung in einem Arbeitslager vierzehntägig genehmigt. Hartkopf, der Kripo und Gestapo als „haltloser Mensch" gilt, wird am 6. September 1940 festgenommen und noch am folgenden Tag in das berüchtigte Arbeitserziehungslager Hunswinkel bei Lüdenscheid verbracht, wo die Häftlinge unter extremen Bedingungen härteste körperliche Arbeit leisten müssen. Hartkopf verbleibt dort bis zum 17. Oktober und muss bei seiner Entlassung eine Erklärung unterzeichnen, in der ihm bei nochmaliger Auffälligkeit Konzentrationslagerhaft angedroht wird.

Der weitere Lebensweg Hartkopfs lässt sich nun nicht mehr detailliert, sondern nur anhand weniger Fakten verfolgen. Zu einem unbekannten Zeitpunkt macht das „Dritte Reich" seine Drohung wahr, Hartkopf wird erneut verhaftet und vermutlich in das Konzentrationslager Sachsenhausen eingewiesen. Von dort jedenfalls wird er am 15. Januar 1943 in das KZ Dachau überstellt, wo er noch am gleichen Tag verstirbt. Über die Umstände seines Todes sowie über die Beisetzung seiner sterblichen Überreste ist nichts überliefert.

Text: Armin Schulte

Stand: 6.7.2017

Literaturhinweis
  • Enzyklopädie des Nationalsozialismus: hrsgg. von Wolfgang Benz, Hermann Graml, und Hermann Weiss, München (3) 1998, S.377.
  • Wachsmann, Nikolaus: kl - die Geschichte der nationalsozialistischen Konzentrationslager, München 2016.
Quellen
  • Landesarchiv NRW - Abteilung Rheinland - RW 58-30728.

 

VerlegeortKotten 4
StadtteilMitte
Verlegedatum02.08.2017