Stolpersteine

Tilde Klose

geboren: 12. Dezember 1892 in Solingen
gestorben: Februar 1942 in der Tötungsanstalt Bernburg a.d. Saale

Lebensweg

Passfoto Tilde Klose

Mathilde Klose stammt aus gutbürgerlichem Haus, ihr Vater ist der Direktor der Solinger Gas- und Wasserwerke. Schon auf der höheren Mädchenschule zeigt sich Tildes, so wird sie in ihrer Familie genannt, Begabung für Fremdsprachen. Ende 1909 geht sie mit 17 Jahren alleine nach Paris. Von den Eltern materiell unterstützt, will sie hier ihre Sprachkenntnisse vervollkommnen. Ein halbes Jahr später erreicht sie die Nachricht vom überraschenden Tode des Vaters. Da nun die Dienstwohnung in der Gasstraße 22 geräumt werden muss, ziehen Tilde, ihre Mutter und der jüngere Bruder Otto zunächst auf die Schwesternstraße 1. Im August 1914 verlässt Familie Klose Solingen und wohnt von nun an in Düsseldorf.

In den Jahren vor dem Ersten Weltkrieg bereist Tilde Klose Frankreich, England und die Niederlande. Anfang der 1920er Jahre findet sie eine Anstellung als Auslandskorrespondentin bei den Mannesmann-Röhrenwerken, kurz Röhrenverband genannt, in Düsseldorf. Tilde Klose engagiert sich zunächst in der SPD und der Gewerkschaft. Im Jahre 1931 ändert sich ihre politische Überzeugung, sie wird Mitglied der KPD. Ihre Tätigkeit in den Röhrenwerken übt sie aber weiter aus.

Nach der nationalsozialistischen „Machtergreifung" beteiligt sie sich aktiv am Widerstand. Ab Frühjahr 1934 wird die illegale kommunistische Organisation Düsseldorf-Altstadt enttarnt, Tilde Klose am 4. Oktober verhaftet. Fast 70 Angeklagte sind es, die am 25. Februar 1935 zum ersten Mal den Gerichtssaal betreten. Auf der Liste mit ihren Namen wird Tilde Klose unter der Nummer 64 geführt. Am 8. März 1935 werden die Urteile gesprochen: für Tilde Klose vier Jahre Zuchthaus. In der Urteilsbegründung heißt es: „Bei der Strafzumessung war erschwerend zu berücksichtigen, dass die Angeklagte Klose sich in fester, gut bezahlter Stellung befand und dass sie durch Leugnen und unvollständige Angaben - den Weisungen der KPD folgend - die restlose Aufklärung unmöglich gemacht hat. Erschwerend fiel weiter ins Gewicht (...), dass sie auch jetzt noch faktisch den kommunistischen Ideen anhängt."

Nach den Zuchthausjahren in den Gefängnissen Ziegenhain, Gotteszell und Aichach wird sie trotz ihrer angegriffenen Gesundheit von der Gestapo in „Schutzhaft" genommen und in das KZ Papenburg eingeliefert. Tilde Kloses nächste Leidensstation ist das im Frühjahr 1939 eingerichtete Frauen-KZ Ravensbrück.

Bis zum Kriegsende werden hier insgesamt über 130.000 weibliche Häftlinge registriert. Die nach Ravensbrück Deportierten stammen aus über 40 Nationen, unter ihnen Jüdinnen sowie Sinti und Roma. Zehntausende werden ermordet, sterben an Hunger, Krankheiten und durch medizinische Experimente.

Auch das Frauen-KZ ist von Anfang an als großes Wirtschaftsunternehmen angelegt. Neben den eigenen Produktionsstätten errichten Firmen in unmittelbarer Nähe des KZ Werkhallen, in denen die Häftlinge Zwangsarbeit leisten müssen. Mit dem Fortgang des Krieges entstehen mehr als 70 Außenstellen des Stammlagers Ravensbrück. Hier werden die weiblichen Häftlinge insbesondere für die Kriegsproduktion ausgebeutet. Sind die Frauen aber nicht mehr arbeitsfähig, droht ihnen die Ermordung.

Als im Februar 1942 mehrere Hundert nicht-arbeitsfähige Insassen des Konzentrationslagers ausgesondert werden, ist auch die an Tuberkulose erkrankte Tilde Klose darunter. Die Häftlinge werden u.a. nach Bernburg an der Saale gebracht, wo die dortige Heil- und Pflegeeinrichtung von den Nationalsozialisten in eine „Euthanasie"-Anstalt umgewandelt worden ist. Die Frauen - unter ihnen auch Tilde Klose - werden durch LKW-Abgase umgebracht, die Leichen in Bernburg verbrannt.

Die DDR widmete Tilde Klose 1959 im Rahmen einer Serie mit Insassinnen des KZ Ravensbrück eine eigene Briefmarke. In Düsseldorf ist heute der Tilde-Klose-Weg in Unterrath nach ihr benannt.

Tilde Klose schreibt aus der Haft in einem Brief an eine Freundin (4. November 1934): „Seit dem 4. Okt. Bin ich verhaftet und zwar beschuldigt man mich, kommunistische Zeitungen an 2 Kollegen weitergegeben zu haben, sowie der Annahme u. Weitergabe von Geld für Opfer der nat. Revolution. (...) So furchtbar mein augenblickliches Schicksal ist, so kann mir meinen Trost, mein unbeschwertes Gewissen und das Bewusstsein, mich immer leidenschaftlich für Menschenrechte und Gerechtigkeit eingesetzt zu haben, niemand nehmen. (...) Im übrigen bin ich felsenfest davon überzeugt, dass mein Leben noch mal sehr lebenswert sein wird. (...) Wie habe ich gerungen mit Religionen und Weltanschauungen und nach Wahrheit gesucht. Die gedankenlose, grausame Masse Menschheit entwickelt sich langsam. Aber ich glaube an sie. Denn der Mensch ist gut!"

Text: Ralf Rogge / Armin Schulte

Stand: 30.5.2005

Literaturhinweis
  • Jacobeit, Sigrid / Thoms-Heinrich, Lieselotte: Kreuzweg Ravensbrück. Lebensbilder antifaschistischer Widerstandskämpferinnen, Köln 1987.
  • Feldhaus, Ulla: Furchtlos. Das Leben der Solingerin Tilde Klose, Solingen 2011.

 

VerlegeortGasstraße 22
StadtteilBurg/Höhscheid
Verlegedatum07.02.2006

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