Stolpersteine

Josef Kupperschlag

geboren: 1. März 1888 in Wuppertal-Barmen
gestorben: im KZ Auschwitz (mit dem 8. Mai 1945 für tot erklärt)

Anna Kupperschlag

geborene Isaac
geboren: 20. August 1894 in Solingen
gestorben: im KZ Auschwitz (mit dem 8. Mai 1945 für tot erklärt)

Lebensweg

Anna Isaac wird am 20. August 1894 in Solingen geboren. Ihr Vater ist der Kaufmann Nathan Isaac (1859-1932), Inhaber einer Filiale des Konfektions- und Textilwarengeschäfts Gebr. Alsberg, Köln. Zunächst war die 1886 eröffnete zehnte Niederlassung des Kölner Kaufhauses am Alten Markt, seit 1890 an der Kaiserstraße 143. 1901 wurde ein moderner Neubau an der Kaiserstraße 117 bezogen.

Von 1910 bis 1914 ist Anna in Köln gemeldet und hält sich 1919/20 mehrere Monate in Leipzig auf. Später arbeitet sie als Abteilungsleiterin im Geschäft ihres Vaters und fungiert mehrere Jahre als Schöffin beim Amtsgericht Solingen, wobei sie sich durch ausgeprägten Gerechtigkeitssinn auszeichnet.

Am 17. Oktober 1923 heiratet sie den am 1. März 1888 in Barmen geborenen Kaufmann Josef Kupperschlag, dem im Jahr darauf von seinem Schwiegervater Prokura für das Textilgeschäft erteilt wird. Am 3. März 1925 und am 20. November 1926 kommen die Töchter Ruth und Marion zur Welt. 1929/30 wird das Geschäftshaus der Firma Alsberg baulich umgestaltet und vergrößert. Als Nathan Isaac im Jahre 1932 stirbt, folgen ihm sein Sohn Karl Isaac (1897-1974 verstorben in Sao Paulo, Brasilien) und Josef Kupperschlag als persönlich haftende Gesellschafter der Offenen Handelsgesellschaft nach.

Nach der „Machtergreifung" 1933 geht der Geschäftsbetrieb des Kaufhauses aufgrund der Boykottmaßnahmen der Nationalsozialisten bedeutend zurück. Nur ein Jahr später muss für die Firma ein außergerichtliches Vergleichsverfahren eingeleitet werden. Nach Verkauf der vorhandenen Waren wird das Geschäft am 30. September 1936 von Amts wegen eingestellt. Im Juli 1937 erwirbt die Berlinische Lebensversicherungs AG das Geschäfthaus im Zwangsversteigerungsverfahren. Die Löschung der Firma Alsberg aus dem Handelsregister erfolgt am 18. Juli 1938.

Nach Schließung des Geschäfts flieht Annas Bruder Karl Isaac im September 1936 mit seiner Frau und den beiden Kindern nach Brasilien. Die Kupperschlags bleiben dagegen in Solingen. Josef versucht, als Handelsvertreter tätig zu werden. Die Familie muss in eine kleinere Wohnung ziehen, seit Dezember 1936 lebt sie in der Klemens-Horn-Straße 15. Während der Pogromnacht am 9. November 1938 zerstört der entfesselte Mob dort den gesamten Hausrat der Kupperschlags.

Einige Monate zuvor haben die beiden Töchter Ruth und Marion das Lyzeum (August-Dicke-Schule) in Solingen verlassen müssen. Im Februar 1939 werden sie von ihren Eltern nach Holland geschickt, wo sie zunächst in einem Flüchtlingsheim untergebracht werden. Als dieses nach Kriegsausbruch geschlossen wird, kommen die Mädchen bei einer Familie in Amsterdam unter, wo sie noch bis 1941 eine Gewerbeschule besuchen können. Die Aufnahme in einer anderen Schule ist bereits nicht mehr möglich.

Anna und Josef Kupperschlag werden unterdessen zu Beginn des Jahres 1939 dazu bestimmt, das Jüdische Altersheim in Wuppertal zu leiten, da Anna angeblich staatlich geprüfte Krankenschwester sei. Das Ehepaar zieht zwangsweise nach Elberfeld in die Straße der SA 73. Am 22. Juni 1942 werden sie von Wuppertal aus zusammen mit den Insassen des Altersheimes in das KZ Theresienstadt deportiert. Unter den von Wuppertal aus Deportierten befinden sich acht weitere Solinger, hinzu kommen sechs bis dahin noch in Solingen lebende Juden. Von Theresienstadt wird das Ehepaar Kupperschlag nach Auschwitz verbracht. Dort werden Anna und Josef von den Nazis zu einem unbekannten Zeitpunkt umgebracht.

Ihre Töchter Ruth und Marion müssen in den Niederlanden seit dem 29. April 1942 den Judenstern tragen. Am 20. April 1943 werden die beiden Schwestern bei einer Razzia aufgegriffen und in das Durchgangslager Vught, Teil des KZ Herzogenbusch, verbracht. Von dort aus erfolgt am 3. Juni 1944 ihre Deportation nach Auschwitz. Im Gegensatz zu ihren Eltern überleben sie jedoch das Vernichtungslager. Vermutlich aufgrund ihres jugendlichen Alters werden sie in verschiedene Zwangsarbeitslager in Deutschland und in der Tschechoslowakei verbracht. Kurz vor der deutschen Kapitulation gelingt es dem schwedischen Roten Kreuz, sie zu befreien und in ein schwedisches Auffanglager zu verlegen. Am 17. November 1945 kehren sie nach Holland zurück. 1953 werden die Schwestern dort eingebürgert, Ruth wandert später in die USA aus.

Text: Armin Schulte

Stand: 28.9.2008

 

VerlegeortKlemens-Horn-Straße 15
StadtteilMitte
Verlegedatum20.12.2007

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