Stolpersteine

Helene Leven

geboren: 30. Juni 1873 in Solingen
gestorben: im KZ Auschwitz oder Sobibor, verschollen

Margarete Tichauer

geborene Leven
geboren: 13. Februar 1901 in Solingen
gestorben: im KZ Auschwitz, verschollen

Wilhelmine Leven

geboren: 13. Februar 1901 in Solingen
gestorben: 10. April 1971 in Zürich

Ilse Shindel

geborene Leven
geboren: 30. April 1914 in Solingen
gestorben: 2. September 2003 in London

Lebensweg

Elisenstraße mit Wohnhaus Leven (Elisenstraße 9)

Helene Leven heiratet im April 1900 den nicht mit ihr verwandten Kaufmann Alexander Leven (geboren am 1. April 1871) aus Krefeld. Im Jahre zuvor hat sie zusammen mit ihrer Schwester Rosalie (1868-1923) auf der Kaiserstraße 159 (heute: Hauptstraße) ein Kinderausstattungsgeschäft eröffnet. Um 1910 erfolgt die Verlegung des Geschäftslokals auf die Kaiserstraße 125. Das Wäschegeschäft Geschwister Leven, Inhaber Alexander Leven besteht vermutlich bis 1926.

Das Ehepaar hat drei Töchter: Im Februar 1901 werden die Zwillinge Wilhelmine (genannt Wilma) und Margarete (genannt Grete) geboren, im April 1914 ihre Schwester Ilse. Alexander Leven arbeitet als Vertreter, hauptsächlich für Rasierklingen. 1916 wird er zum Kriegsdienst einberufen, wegen Krankheit aber nur wenig später wieder entlassen.

Nach der Inflation muss sich die Familie Mitte der 1920er Jahre mit Heimarbeit über Wasser halten. Ab September 1926 arbeitet Alexander Leven wieder als Vertreter, Helene Leven ist vorübergehend Leiterin des Wäschegeschäfts Arnold Obersky. 1930/31 versucht auch sie es mit einer Vertretung, offensichtlich ohne Glück.

Inzwischen wachsen die Kinder heran. Margarete studiert nach dem Schulbesuch am Konservatorium in Köln und wird Klavierlehrerin. Wilma besucht die höhere Handelsschule. Sie erkrankt an TBC, wird zu Hause gepflegt und verbringt jährlich einen Monat in einer Lungenheilanstalt. Nach sechs Jahren ist sie geheilt. Seit 1927 ist sie bei der Stahlwarenfirma Gebrüder Richartz in Merscheid zunächst als Sekretärin, dann als Direktionssekretärin tätig. Außerdem spielt sie bis zur Zerstörung der Synagoge 1938 dort die Orgel. Ilse besucht seit Frühjahr 1920 die Volksschule Katternberger Straße, als Zehnjährige dann die Höhere Mädchenschule. In der 12. Klasse verläßt sie die Schule. Ihre Schwester Wilma besorgt ihr eine Lehre als kaufmännische Angestellte bei der Firma Richartz.

1933 wird das Merscheider Unternehmen gezwungen, eine der beiden Schwestern zu entlassen. Ilse findet Arbeit bei dem Schuhbedarfsartikelhersteller Oskar Lohe an der Kohlfurtherbrücke, einem entschiedenen Nazigegner. Doch auch dieser wird unter Druck gesetzt, jüdische Arbeitskräfte zu entlassen. Ilse wechselt nach Düsseldorf, wo sie bis 1939 bei einem jüdischen Arbeitgeber bleiben kann. Margarete muss ihren Beruf als Klavierlehrerin aufgeben, arbeitet als Verkäuferin in Düsseldorf, dann als Einkäuferin in einem Berliner Warenhaus. Hier lernt sie ihren Mann, Herbert Tichauer, kennen. 1935 emigrieren die beiden in die Niederlande. Wilma scheidet 1938 aus dem Dienst der Fa. Richartz aus und verlässt wohl vorübergehend Solingen. Am 16. April desselben Jahres stirbt der Vater Alexander Leven im jüdischen Krankenhaus in Köln-Ehrenfeld an Lungenentzündung. Er wird auf dem jüdischen Friedhof in Solingen beigesetzt.

Ein Jahr nach dem Tod ihres Mannes emigriert Helene Leven am 13. April 1939 zu ihrer Tochter Margarete nach Amsterdam. Der Ex-Arbeitgeber ihrer Tochter, Lohe, leistet dabei Unterstützung. Ilse verbringt am 24. Mai 1939 eine Nacht im Solinger Gefängnis. Sie wird von der Gestapo über ihren Arbeitgeber ausgefragt, der Maschinen nach England verkauft haben soll. Wenige Tage später kann sie am 5. Juni über die Niederlande nach England ausreisen. In Holland sieht sie ihre Mutter Helene und ihre Schwester Margarete ein letztes Mal.

Magarete Tichauer, ihr Mann Herbert und Helene Leven werden am 23. Februar 1943 in das Durchgangslager Westerbork im Nordosten der Niederlande deportiert. Von dort werden sie nach Sobibor und nach Auschwitz verschleppt und in den Vernichtungslagern umgebracht.

Nach kurzem Aufenthalt in Solingen zieht Wilma am 29. Juni 1939 nach Elberfeld und läßt sich dort zur Krankenschwester umschulen. Am 20. Juli 1942 wird Wilhelmine in das KZ Theresienstadt deportiert. Sie ist dort als Krankenschwester tätig und pflegt unter anderem Alexander Coppel. Nach ihrer Befreiung zu Kriegsende erhält sie in der Schweiz eine Ausbildung zur Röntgenassistentin. Sie stirbt am 10. April 1971 in Zürich.

Ilse Leven schlägt sich in England als Kindermädchen durch, arbeitet als Hausangestellte und bei verschiedenen Firmen. Nach dem Kriege heiratet sie Adrian Shindel aus Dresden. Lange Jahre ist sie als Sekretärin und Dolmetscherin im Londoner Leo-Baeck-Institut tätig. 1988 wird sie Korrespondenzpartnerin der AG Jüdischer Friedhof, Gesamtschule Solingen. Ilse Shindel stirbt am 2. September 2003.

Text: Armin Schulte

Stand: 30.5.2005

Literaturhinweis
  • AG Jüdischer Friedhof: Jüdische Spuren in unserer Region - Ilse Shindel, in: „... daß ich die Stätte des Glückes vor meinem Tode verlassen müßte". Beiträge zur Geschichte jüdischen Lebens in Solingen, hrsg. v. Manfred Krause / Solinger Geschichtswerkstatt, Leverkusen 2000, S. 94-102.

 

VerlegeortElisenstraße 9
StadtteilMitte
Verlegedatum26.08.2005

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