Stolpersteine

Max Leven

geboren: 12. Juni 1882 in Diedenhofen (Thionville)
gestorben: 10. November 1938 in Solingen

Emmi Leven

geborene Buchthal
geboren: 20. November 1890 in Brakel
gestorben: 10. September 1942 im Vernichtungslager Chelmno

Heinz Leven

geboren: 21. April 1914 in Krefeld
Schicksal unbekannt

Hannah Leven

geboren: 7. September 1917 in Paderborn
gestorben: 29. Oktober 1942 in Riga

Anita Leven

geboren: 26. Januar 1920 in Solingen
gestorben: 26. Juni 1944 im Vernichtungslager Chelmno

Lebensweg

Familienfoto Max Leven

Max Leven, 1882 in Lothringen geboren, durchläuft unter anderem in Mailand eine Ausbildung zum Exportkaufmann. Noch vor dem Ersten Weltkrieg heiratet er Emmi Buchthal, mit der er 1916 von Krefeld nach Solingen zieht. Er arbeitet zunächst als Handlungsgehilfe bei der Firma Abraham Feist, während seine Frau Pelze vertreibt. Nachdem bereits am 21. April 1914 in Krefeld der Sohn Heinz geboren worden ist, kommen 1917 und 1920 die Töchter Hannah und Anita zur Welt, die später die evangelische Volksschule Katternberger Straße besuchen. Max Leven tritt 1916 aus der jüdischen Gemeinde aus, der auch die Töchter später nicht angehören. Dagegen bleiben seine Frau und sein Sohn in der Synagogengemeinde. 1918 wird Max Leven Mitglied der USPD und wechselt wenig später dann zur KPD über, der ab 1929 auch Emmi Leven angehört. Bis zu deren Verbot 1933 arbeitet Max Leven als Kulturredakteur bei der kommunistischen Solinger Zeitung „Bergische Arbeiterstimme". Er gehört für seine Partei dem Kunstausschuss und der Gerichtshilfe der Stadt Solingen an.

Für die Nationalsozialisten ist Max Leven als Kommunist und Jude eine besonders verhasste Person. 1933 wird er vorübergehend im KZ Kemna gefangen gehalten. Im Januar 1935 meldet sich der Sohn Heinz nach Paris ab. Sein weiteres Schicksal ist unbekannt, vermutlich kann er nach Amerika emigrieren. Die jüngste Tochter Anita hält sich von November 1935 bis Oktober 1937 in Frankfurt auf. Die gelernte Krankenschwester Hannah lebt seit September 1936 in Berlin.

Am 15. April 1936 werden Max und Emmi Leven erneut festgenommen. Die Gestapo ermittelt gegen den vermeintlichen kommunistischen Verschwörerkreis um die jüdische Familie Freireich. Als Bekannte der Familie geraten auch die Levens in Verdacht. Sie werden nach Düsseldorf gebracht und dort verhört, der Verdacht erweist sich jedoch als gegenstandslos. Ende April wird das Ehepaar aus der Untersuchungshaft entlassen.

In der Reichspogromnacht vom 9. auf den 10. November 1938 treffen sich in der Hohen Gasse 6 vor Levens Wohnung mehrere führende Nationalsozialisten, die zuvor zu spät zur Synagoge gekommen waren, um sich noch maßgeblich an der Brandstiftung zu beteiligen. Es handelt sich um Artur Bolthausen, den Adjutanten des NSDAP-Kreisleiters, Kreishandwerkermeister Wilhelm Tönges, den Geschäftsführer des Spar- und Bauvereins, Franz Eickhorn, sowie den Hausmeister Armin Ritter. Sie verschaffen sich gewaltsam Zutritt, verwüsten die Wohnung und dringen in das Schlafzimmer des bettlägerigen Max Leven vor. Leven muss niederknien und um Gnade bitten. Einer der Beteiligten wirft ihm eine Vase an den Kopf. Ritter zieht seine Pistole und schießt. Tödlich getroffen bricht Max Leven zusammen, die Täter fliehen. Bürgermeister Dr. Brückmann wird noch in der Nacht unterrichtet. Ritter werden zwar Vorwürfe gemacht, er bleibt jedoch auf freiem Fuß. Am Morgen nach dem Mord wird die völlig verstörte Emmi Leven leicht bekleidet auf der Straße angetroffen. Max Leven wird auf dem jüdischen Friedhof am Stöckerberg beigesetzt.

Anita Leven lebt seit Februar 1938 in Hannover. Am 24. Oktober 1941 kehrt sie nach Solingen zurück. Zusammen mit ihrer Mutter Emmi gehört sie zu den am 26. Oktober 1941 in das Ghetto von Litzmannstadt (Lodz) deportierten Solinger Juden. Noch einmal zeigen an diesem Tag - wie Horst Sassin 2005 in der Heimat berichtet - die Solinger Genossen ihre Solidarität und begleiten Emmy und Anita bis zum Bahnsteig. Es ist ein endgültiger Abschied, die Levens kehren nicht mehr nach Solingen zurück. Die Umstände des Todes der beiden liegen jedoch noch lange Jahre nach dem Krieg im Dunkeln. Erst Schülern der Schwertstraße gelingt es 2002, in Lodz Näheres über ihr weiteres Schicksal zu ermitteln: Danach werden die Levens im Ghetto zunächst in die ehemalige Volksschule in der Fischerstraße 21 eingewiesen. Während Emmi sich nicht zur Arbeit meldet, arbeitet Anita seit November 1941 als Krankenschwester im Krankenhaus 1. Im Frühjahr 1942 wechselt sie ins Säuglingsheim. Von der ersten Deportation in das Vernichtungslager Chelmno stellt man die Levens aufgrund der Beschäftigung Anitas zurück. Am 17. Mai ziehen sie im Ghetto in die Korngasse 18 um. Bald jedoch kommt es zu einer erneuten Deportationswelle in das Vernichtungslager. Nichts kann Emmi Leven jetzt noch retten. Knapp ein Jahr nach ihrer Deportation nach Lodz wird sie am 10. September 1942 in das Vernichtungslager Chelmno verschleppt und dort in einem LKW vergast. Anita kann noch bis 1944 überleben. Am 26. Juni 1944 deportiert man auch sie nach Chelmno und ermordet sie.

Zu diesem Zeitpunkt haben die Nazis auch ihre Schwester Hannah bereits umgebracht. Hannah, die Solingen im Juni / Juli 1940 ein letztes Mal besucht, arbeitet zunächst im Jüdischen Krankenhaus, Iranische Straße 4, in Berlin. Am 26. Oktober 1942 wird sie zusammen mit etwa 800 weiteren Juden von Berlin nach Riga deportiert, wo man sie am 29. Oktober 1942 ermordet.

1949 stehen Bolthausen, Tönges, Eickhorn und Ritter wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit in Wuppertal vor Gericht. Den Angeklagten wird der Synagogenbrand nur zum Teil zur Last gelegt. Für den Mord an Max Leven werden sie jedoch zur Verantwortung gezogen. Zwar ist der Abscheu der Richter in der Urteilschrift deutlich, trotzdem wird ein für heutiges Empfinden vergleichsweise mildes Urteil gefällt. Eickhorn erhält eine Gefängnisstrafe von einem Jahr und sechs Monaten, Bolthausen und Tönges je zwei Jahre, Ritter wird zu drei Jahren Haft verurteilt. Letzterem hält das Gericht aufgrund einer schweren Hirnverletzung strafmildernd Persönlichkeitsstörungen zugute.

1979 wird in Solingen zum Andenken Levens die Hohe Gasse in Max-Leven-Gasse umbenannt. 1991 errichtet die Stadt Solingen für ihn und seine Frau auf dem jüdischen Friedhof einen Gedenkstein.

Text: Armin Schulte

Stand: 13.5.2009

Literaturhinweis
  • Peters, Lutz; Sassin, Horst: Max und Emmy Leven - Schicksal einer Familie, in: „... daß ich die Stätte des Glückes vor meinem Tode verlassen müßte". Beiträge zur Geschichte jüdischen Lebens in Solingen, hrsg. v. Manfred Krause / Solinger Geschichtswerkstatt, Leverkusen 2000, S. 153-157.
  • Sassin, Horst: Gerd Friedberger, Johanna Sobotki, Emmi Leven - Schicksale in Solingen und Litzmannstadt (Lodz), in: Die Heimat, Heft 21, 2005, S. 52-67.

 

VerlegeortMax-Leven-Gasse 5
StadtteilMitte
Verlegedatum27.09.2004

Stadtplan