Stolpersteine

Samuel Lewak

geboren: 7. April 1880 in Suwalki (Polen)
gestorben: 4. April 1941 in Chelm, Post Lublin oder Majdanek

Lebensweg

Postkartenansicht vom Westwall

Samuel Lewak wird 1880 in Suwalki geboren. Die Stadt, heute in Nordwestpolen unweit der Grenze zu Litauen gelegen, gehört damals zum sogenannten Kongresspolen, das seit 1815 unter zaristischer Herrschaft steht. Als im Ersten Weltkrieg deutsche und österreichische Truppen das Gebiet erobern und damit die russische Herrschaft erlischt, emigriert Lewak ins Deutsche Kaiserreich. Im März 1918 kommt er nach Solingen. Er ist Instrumentenbauer und Klavierstimmer und verdient sein Geld als Vertreter einer Solinger Musikalienhandlung. Als Musiker spielt er zur Begleitung von Filmen in Lichtspielhäusern. Im Oktober 1928 heiratet er die aus Solingen stammende Elfriede Jolig (geboren am 21. März 1893), die zum Zwecke der Eheschließung zum jüdischen Glauben ihres Mannes übertritt. Das Ehepaar zieht in die Wohnung Samuels, der seit 1925 am Westwall 12 lebt.

Nach 1933 kann Lewak aufgrund des nationalsozialistischen Judenboykotts seiner Arbeit nicht mehr nachgehen. Den Lebensunterhalt bestreitet nun seine Frau mit Näharbeiten. Am 26. Januar 1941 wird Samuel Lewak in das Jüdische Krankenhaus in Köln eingewiesen und noch von mehreren Personen dorthin begleitet. Als seine Frau ihn jedoch am nächsten Tag dort besuchen will, erhält sie die Auskunft, er sei verlegt worden.

Es gelingt Elfriede Lewak auch in der Folge nicht, etwas über den Aufenthaltsort ihres Mannes und sein weiteres Schicksal herauszufinden. Über seinen möglichen Verbleib gibt es mehrere Versionen. Nach Aussage der ebenfalls zum jüdischen Glauben übergetretenen Solingerin Margarete Oesterreicher wird Lewak zunächst in die Heil- und Pflegeanstalt Bendorf verlegt. Die Synagogengemeinde gibt im April 1941 die Heil- und Pflegeanstalt Andernach als seinen Aufenthaltsort an. Sicher ist, dass Lewak irgendwann ins besetzte Polen verlegt wird. Dort verstirbt er oder wird von den Nationalsozialisten umgebracht. Die Einwohnermeldekartei verzeichnet den 4. April 1941 als seinen Todestag und nennt als Todesort „Chelm, Post Lublin". Im Gedenkbuch für die jüdischen Opfer aus Köln von 1995, das sein Todesjahr ebenfalls mit 1941 angibt, wird das Vernichtungslager Majdanek als Sterbeort benannt. Elfriede Lewak selbst gibt in den Nachkriegsjahren gegenüber den Entschädigungsbehörden zu Protokoll, sie habe im Frühjahr 1942 von privater Seite gehört, dass ihr Mann in Lublin verstorben sei.

Auch sie selbst bleibt vor weiteren Schikanen der Nationalsozialisten nicht verschont. Bereits seit Kriegsbeginn erhält sie nur noch die beschränkten Lebensmittelkarten für Juden und obwohl ihr Mann seit 1941 nicht mehr zu Hause ist, muss sie an der Haustür den Judenstern anbringen: Notdürftig fristete sie ihr Leben als Schneiderin, gegen Kriegsende sucht sie vorübergehend Zuflucht bei ihrem Schwager in Düsseldorf. Sie stirbt am 18. Januar 1966 in Solingen.

Text: Armin Schulte

Stand: 13.3.2009

VerlegeortWestwall 12 (hinter Kölner Straße 100)
StadtteilMitte
Verlegedatum04.12.2008

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