Stolpersteine

Hedwig Löb

geboren: 17. August 1893 in Köln
gestorben: Mai 1942 im Vernichtungslager Chelmno

Lebensweg

Das Wohnhaus von Hedwig Löb, Wuppertaler Straße 23

Über die Person und das Leben der am 17. August 1893 in Köln geborenen Hedwig Löb ist kaum mehr als der Tatbestand ihrer Verfolgung, Deportation und Ermordung bekannt. Hedwig Löb ist Hausangestellte. Am 22. November 1938 zieht sie von Köln zur Familie Georg und Jenny Giesenow nach Solingen. Der Textilkaufmann Georg Giesenow ist zu dieser Zeit als Schatzmeister und stellvertretender Vorsteher eine der führenden Persönlichkeiten der jüdischen Gemeinde. Nur wenige Tage zuvor haben die Nationalsozialisten in der „Reichspogromnacht" vom 9. November 1938 sein Geschäft und das Privathaus in der Wupperstraße 23 verwüstet und geplündert. Hedwig Löb wird bei den Aufräumarbeiten geholfen haben, möglicherweise kümmert sie sich um die 92jährige bettlägerige Helene Dahl, die Mutter Jenny Giesenows. Etwas mehr als drei Jahre wird sie bei der Familie, deren Textilgeschäft im November 1938 geschlossen wird, leben. Bei der Volkszählung 1940 wird sie unter der Berufsbezeichnung „Hausgehilfin" geführt.

Nach dem Tode Helene Dahls im April 1939 wendet das Solinger Wohnungsamt im Spätsommer 1939 das neue „Gesetz über die Mietverhältnisse mit Juden" an und quartiert mehrere Solinger Juden in der Wupperstraße 23 ein. Als am 26. Oktober 1941 die ersten 17 Solinger Juden in das Ghetto Litzmannstadt (Lodz) deportiert werden, gehört Hedwig Löb zu den Verschleppten, von denen keiner nach Solingen zurückkehren wird. Auf Hedwig Löbs Einwohnermeldekarte vermerkt man: „n(ach) Litzmannstadt ausgewandert". Nach Kriegsende gilt sie als verschollen, erst 2009 kann ihr weiteres Schicksal aufgeklärt werden.

Nach neueren Recherchen, von denen Horst Sassin 2010 in der „Heimat" berichtet, arbeitet Hedwig Löb zunächst zusammen mit Alice Bettenhausen in den landwirtschaftlichen Betrieben des Ghettos in Lodz. Vom 4. bis zum 15 Mai 1942 werden auf Druck der Besatzungsbehörden 10.000 der neu im Ghetto angesiedelten Juden aus dem Reichsgebiet in einer ersten Deportationswelle in das Vernichtungslager Chelmno (Kulmhof) bei Lodz deportiert. Auch Hedwig Löb wird in das Lager verbracht und dort - wie alle anderen Deportierten - vergast.

Text: Armin Schulte

Stand: 21.9.2010

Literaturhinweis
  • Sassin, Horst: Deportiert in das Ghetto Litzmannstadt 1941. Die Schicksale der Solinger Juden geklärt, in: Die Heimat, Heft 25, 2009/2010, S. 74ff.

 

VerlegeortWupperstraße 23
StadtteilMitte
Verlegedatum06.12.2010

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