Stolpersteine

Dr. Friedrich Mayer

geboren: 14. Januar 1864 in Worms
gestorben: 7. Februar 1943 im KZ Theresienstadt

Lebensweg

Mummstraße mit Wohnhaus von Friedrich Mayer

Friedrich Mayer zieht im Mai 1917 von Köln nach Solingen. Neben seiner Wohnung in der Brüderstraße 47 behält er zunächst noch den zweiten Wohnsitz in Köln. Der promovierte Chemiker arbeitet bei der Leichtmetallgießerei Rautenbach. Bei seiner Anmeldung in Solingen wird er zunächst als Dissident geführt, tritt aber später vermutlich der Jüdischen Gemeinde bei.

Ab 1933 wird der Rentner Zeuge des Aufstiegs seines ehemaligen Arbeitgebers zum größten Rüstungsproduzenten Solingens. Mit seiner Haushälterin Frau Jungbluth bezieht Friedrich Mayer nach dem Tod des Hautarztes Dr. Föckler am 9. August 1939 dessen Parterrewohnung in der Oststraße 19. Die ehemalige Mitbewohnerin Trude Hoppe erinnert sich 1997: „Es dauerte nicht lange, bis man ihm einiges aus der Wohnung holte, u.a. einen großen Radioapparat. Auch mußte er [ab 1941] den Judenstern tragen. Von den Mitbewohnern hatte er nichts zu befürchten. Sie waren ihm wohlgesinnt."

Nach Erlass des „Gesetzes über die Mietverhältnisse mit Juden" am 30. April 1939 beginnt auch das Solinger Wohnungsamt mit der Umquartierung der Juden in sogenannte „Judenhäuser". Eines dieser Häuser ist das Haus von Georg und Jenny Giesenow in der Wupperstraße 23. Im Oktober 1941 werden die Bewohnerinnen Hedwig Löb und Mathilde Stern nach Lodz deportiert, am 7. Januar 1942 wird Friedrich Mayer kurz vor seinem 78. Geburtstag bei Giesenows einquartiert. Trude Hoppe: „Die genaue Jahreszahl [kann ich] nicht nennen, als er [Mayer] meiner Mutter mitteilte, er müsse bis auf weiteres in die Wupperstrasse (...) ziehen und könnte nur einen kleinen Koffer und RM 100 mitnehmen. Mit so wenig Gepäck und so wenig Geld wäre er noch nie gereist."

Am 11. Juli 1942 erhalten die Bewohner der Wupperstraße den Deportationsbefehl nach Theresienstadt. Das Reichsicherheitshauptamt hat die Gestapoleitstelle Düsseldorf angewiesen, bisherige Ausnahmen für Deportationen aufzugeben, und bei der Reichsbahn für den 21. und 25. Juli zwei Sonderzüge für den Abtransport von je 1.000 Juden bereitzustellen. Friedrich Mayer wird am 20. Juli 1942 zusammen mit dem Ehepaar Giesenow, Samuel Dessauer, Dr. Alexander Coppel, Helene Adams und den zehn Solinger Bewohnern des jüdischen Altenheims in Wuppertal vom Steinbecker Bahnhof in Wuppertal aus deportiert. Insgesamt werden am folgenden Tag 997 Juden aus dem Rheinland, darunter 289 aus Wuppertal und Umgebung, von Düsseldorf-Derendorf aus nach Theresienstadt verbracht. In der Meldekarte Friedrich Mayers wird in Solingen festgehalten: „v. Amtswegen n. unbekannt".

Der Transport erreicht am 22. Juli das KZ Theresienstadt, das seit Juli 1942 als „Altersghetto" und Durchgangsstation zu den Vernichtungslagern im Osten für die Deportation deutscher und österreichischer Juden genutzt wird. Aufgrund der unmenschlichen Lebensbedingungen und des hohen Alters der Deportierten ist die Sterberate dort extrem hoch. Bereits im Sommer und Herbst 1942 sterben sechs der verschleppten Solinger Juden, am 7. Januar 1943 verstirbt Hedwig Brauer. Das Leben von Friedrich Mayer endet am 7. Februar 1943.

Text: Armin Schulte

Stand: 8.11.2006

 

VerlegeortMummstraße 47
StadtteilMitte
Verlegedatum04.04.2007

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