Stolpersteine

Paul Plömacher

geboren: 12. Juni 1884 in Solingen-Höhscheid
gestorben: 16. Oktober 1941 im KZ Sachsenhausen

Lebensweg

Menschen mit gebrochenen Lebensläufen, wie etwa Bettler, Landstreicher, Arbeitsunwillige und Alkoholiker, die den Anforderungen des Systems nicht genügen, haben in der NS-Volksgemeinschaft keinen Platz. Sie werden entmündigt, in Arbeitslager eingewiesen und können nach dem „Grunderlass Vorbeugende Verbrechensbekämpfung" vom 14. Dezember 1937 zur Vorbeugungshaft in ein KZ eingewiesen werden. Dort haben die mit einem schwarzen Winkel gekennzeichneten Häftlinge nur geringe Überlebenschancen.

Auch Paul Plömacher gehört zu den Opfern dieser NS-Ausmerzungspolitik. Er kommt am 12. Juni 1884 in Höhscheid als Sohn des Tagelöhners Friedrich Plömacher und seiner Frau Rosa zur Welt. Das Ehepaar hat drei weitere Söhne und drei Töchter, die später als Schleifer und Fabrikarbeiter tätig sind.. Paul selbst ist von Beruf Scherenhärter. Am 29. Oktober 1910 heiratet er in Höhscheid seine Braut Barbara Gruhn, wie er Tochter einer Tagelöhnerfamilie, mit der er zusammen ein Kind hat. Das Paar zieht im November 1910 in die Brühler Straße, in der Barbara auch schon vorher gewohnt hat. Im April 1918 finden sie am Unnersberg 22a eine dauerhafte Wohnung.

Irgendwann Mitte der 1930er Jahre läuft das Leben Plömachers aus dem Ruder. Im Oktober 1935 wird er entmündigt. Im November 1935 verzeichnet die Einwohnermeldekartei erstmals einen Aufenthalt in Brauweiler, wobei es sich mit hoher Wahrscheinlichkeit um eine Einweisung in die dortige Provinzial-Arbeitsanstalt handelt. Im Dezember 1936 kehrt Plömacher nach Solingen zurück, ist aber von September 1937 bis September 1939 erneut in Brauweiler untergebracht. Nach seiner Rückkehr nach Solingen wohnt er in der Lindenstraße 20.

Am 28. September 1940 wird Plömacher in das KZ Sachsenhausen überführt. 1948 gibt seine Frau auf dem „Antragsformular für ehemalige Insassen von Konzentrationslagern" als Grund dafür an: „In trunkenem Zustand von Auto angefahren und verhaftet." Gegenüber dem Amt für Wiedergutmachung macht sie seinen „unsoliden Lebenswandel" für die KZ-Einweisung verantwortlich. Ein Mitarbeiter des Amtes berichtet ebenfalls 1948 über den Stand seiner Ermittlungen, wobei er einen gewerkschaftlichen, religiösen oder politischen Hintergrund für die Verhaftung ausschließt: „P. soll ziemlich asozial gewesen sein. Er wurde nach meinen Feststellungen 1940 im betrunkenen Zustande von der Polizei in Solingen von der Straße verhaftet und dem K.Z. Sachsenhausen zugeführt [,] aus dem er nicht mehr zurückgekehrt ist."

Plömacher kehrt tatsächlich nicht mehr nach Solingen zurück. Der Häftling mit der KZ-Nummer 33371 stirbt nach dem Eintrag im Totenbuch des Konzentrationslagers Sachsenhausen am 16. Oktober 1941 im Krankenrevier des Lagers. Der spätere Wiedergutmachungsantrag seiner Frau wird von vornherein als aussichtslos beschieden.

Text: Armin Schulte

Stand: 12.7.2016

Literaturhinweis
  • Enzyklopädie des Nationalsozialismus, hrsgg. von Wolfgang Benz, Hermann Graml, und Hermann Weiß, München (3) 1998.

 

VerlegeortLindenstraße 20
StadtteilMitte
Verlegedatum02.08.2017