Stolpersteine

Abraham Rosenbaum

geboren: 14. Oktober 1884 in Rozniatow/Galizien
gestorben: im KZ Auschwitz, mit Datum vom 8. Mai 1945 für tot erklärt

Lia Rosenbaum

geboren: 22. Juni 1922 Solingen-Ohligs
gestorben: im KZ Auschwitz, mit Datum vom 8. Mai 1945 für tot erklärt

Lebensweg

Düsseldorfer Straße mit Schuhgeschäft Rosenbaum

Abraham Rosenbaum (in den Meldeunterlagen mit dem Zusatz „recte Klein" geführt) wird 1884 in Galizien geboren, das damals noch zu Österreich gehört. Im Dezember 1909 meldet sich der Kaufmann in Ohligs an, 1911 zieht auch sein Bruder Moses Rosenbaum (geboren am 29.12.1875 in Roszniatow - gestorben am 22.3.1954 in Tel Aviv) mit seiner Familie nach Wald. Im März 1914 heiratet Abraham Rosenbaum Cilly Weissfeldt (geboren am 19.10.1883 in Zempelburg / Westpreußen). Am 22. Juni 1922 wird dem Ehepaar die Tochter Lia geboren.

Zu dieser Zeit hat Abraham Rosenbaum beruflich in Ohligs längst Fuß gefasst. Im April 1914 hat er auf der Düsseldorfer Straße 46 ein Schuhgeschäft eröffnet, indem er vor 1933 bis zu fünf Verkäuferinnen beschäftigt. Mit der „Machtergreifung" und den Boykottmaßnahmen gegen jüdische Geschäfte geht der Umsatz des Geschäftes seit 1933 zurück. Ab 1935 wirkt sich der Boykott dann immer stärker aus. Nur noch eine Verkäuferin kann beschäftigt werden, die ab 1936 dann als Halbtagskraft arbeitet.

1938 wird Abraham Rosenbaum ein zunächst scheinbar nebensächlicher Umstand zum persönlichen Verhängnis. Da Galizien, wo er geboren wurde, nach dem I. Weltkrieg an Polen gefallen ist, gilt er im „Dritten Reich" nicht mehr als österreichischer, sondern als polnischer Staatsbürger. Er gehört so zu den etwa 17.000 Juden mit polnischem Pass, die im Oktober 1938 brutal über die Grenze nach Polen abgeschoben werden. Sein Geschäft in Solingen wird aus der Gewerbekartei gestrichen.

Nach damaliger Angabe der Solinger Synagogengemeinde hält er sich im Januar 1939 in Warschau auf. Seine Frau Cilly, im Unterschied zu ihm Jüdin deutscher Abstammung, zieht im Mai 1939 von Solingen nach Düsseldorf, wo sich ihre Spur verliert. Über Abrahams weiteres Schicksal gibt seine Meldekarte Auskunft. In einem undatierten Vermerk heißt es: „Soll sich jetzt in Brüssel aufhalten." Nach dem deutschen Überfall auf Belgien 1940 werden dort viele Ausländer interniert und später nach Südfrankreich gebracht. Zu einem unbekannten Zeitpunkt wird Abraham Rosenbaum von seinem letzten Wohnsitz „C Bellevue Nice Cimiez" (vermutlich ein Vorort von Nizza) in das unter der Kontrolle der Gestapo stehende Durchgangslager Drancy eingeliefert und am 20. November 1943 zusammen mit seiner Tochter Lia nach Auschwitz deportiert. Auf Antrag des Neffen Leo Rosenbaum werden die Verschollenen 1958 vom Amtsgericht Solingen für tot erklärt.

Abrahams Bruder Moses Rosenbaum überlebt hingegen den Krieg. Der Schuhhändler verkauft 1934 seine Geschäfte in der Walder Hauptstraße und in Remscheid und wandert mit seiner Frau Minna geborene Horowitz (geboren am 10.12.1875 in Roszniatow - gestorben in Tel Aviv) und seinen beiden jüngsten Kindern Berta (geboren am 11.6.1910 in Vohwinkel) und Leo (geboren am 12.4.1909 in Vohwinkel) über Jugoslawien nach Palästina aus. Etwa 2000 Reichsmark kostet die Reise. Auch dem älteren Sohn Salomon (geboren am 9.12.1900 in Rozniatow) gelingt via Triest die Auswanderung nach Palästina, später emigriert er nach Australien.

In Tel Aviv eröffnet Moses 1938 ein Schuhgeschäft, das er zusammen mit seinem Sohn Leo bis 1947 betreibt. Nach dem Tod seines Vaters im Jahre 1954 zieht Leo nach Deutschland. 1956 wird er in Solingen wieder eingebürgert und gründet 1958 Schuhgeschäfte in Remscheid und Düsseldorf. Von 1961 bis 1976 unterhält er auf der Hauptstraße 20-22 in Solingen ein drittes Geschäft.

Text: Armin Schulte

Stand: 6.11.2006

VerlegeortDüsseldorfer Straße 46
StadtteilOhligs/Aufderhöhe/Merscheid
Verlegedatum07.02.2006

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