Stolpersteine

Hildegard Rubens

geboren: 7. Mai 1915 in Solingen-Ohligs
gestorben: 21. Mai 1941 in Tötungsanstalt Hadamar

Lebensweg

Über das kurze Leben von Hildegard Rubens wissen wir nicht viel und das Wenige fast nur aus den Akten ihrer Verfolger, die mit ihrem menschenverachtenden Inhalt heute Abscheu und Ekel hervorrufen. Hildegard Rubens kommt am 7. Mai 1915 als fünftes Kind des „Reisenden" (Vertreters) Ernst Rubens und seiner Frau Anna (auch: Amanda) in Ohligs zur Welt, die 1897 in Broocklyn in den USA geheiratet haben. Hildegard besucht bis zur 7. Klasse die Volksschule. Mit 17 Jahren beginnt sie sich laut dem späteren ärztlichen „Gutachten" im Sterilisierungsverfahren in ihrem Sozialverhalten zu verändern. Sie treibt sich angeblich auf Tanzböden herum und unterhält Beziehungen zu jungen Männern. Im Januar 1935 wird sie in das Evangelische Mädchenheim Quellenhof eingewiesen, nur wenig später, am 23. März 1935, vom Fürsorgearzt dann wegen „Schizophrenie" in die Heil- und Pflegeanstalt Galkhausen.

Dort stellt der Direktor Dr. Hermann bereits am 5. April 1935 einen Sterilisierungsantrag. Im Rahmen der mehr als fraglichen „Intelligenzprüfung" gibt Hildegard dort auf die Frage: „Was würden Sie tun, wenn sie das große Los gewönnen?" zu Protokoll: „Mal erst nach den Menschen gehen, die mir gut gewesen sind, ins Reine machen alles. Die auch ein bisschen damit erfreuen u. so." Oder wie Dr. Hermann sie abschließend zitiert: „Ich denke manchmal zu viel. Ich denke über Gerechtigkeit nach. Wenn jemand was an sich hat[,] was schön ist, wollen die anderen es auch haben und wenn sie es nicht haben können[,] kann man doch nichts daran machen."

Tatsächlich kann sie an ihrem Schicksal aus eigener Kraft nichts ändern. Am 9. Mai 1935 wird ihre Sterilisierung wegen Schizophrenie vom Erbgesundheitsgericht Wuppertal angeordnet. In der Folge dringt ihr Vater auf beschleunigte Durchführung des Eingriffs, da er in Langenfeld um die Gesundheit seiner Tochter fürchtet und eine Beurlaubung oder Entlassung nur nach erfolgter Sterilisierung möglich ist: „Bei meinen Besuchen in der Heil- und Pflegeanstalt habe ich die Überzeugung gewonnen, dass der Gesundheitszustand meiner Tochter in der dortigen Umgebung sich verschlechtert hat, weshalb ich hiermit den Antrag stelle, meine Tochter bis zur Aufnahme in eine Krankenanstalt zwecks Operation zu beurlauben."

Am 18. Mai 1935 wird Hildegard in den Städtischen Krankenanstalten in Barmen sterilisiert und zunächst nach Galkhausen zurückgebracht. Laut dem Eintrag in der Einwohnermeldekartei wird sie am 5. Juli 1935 in den Quellenhof nach Solingen verlegt, um dann am 22. März 1936 wieder nach Galkhausen eingewiesen zu werden. Im Mai 1938 stirbt ihre Mutter in den Städtischen Krankenanstalten. Hildegard selbst wird im Zuge der „Aktion T4", der reichsweiten Tötung von Menschen mit Behinderung, am 2. Mai 1941 von Galkhausen nach Hadamar verlegt. Dort wird sie zu einem unbekannten Zeitpunkt umgebracht, die Einwohnermeldekartei nennt den 21. Mai 1941 als Todesdatum. Nur sechs Jahre später stirbt auch ihr Vater in den Solinger Krankenanstalten.

Text: Armin Schulte

Stand: 4.7.2016

 

VerlegeortHildener Straße 12
StadtteilOhligs/Aufderhöhe/Merscheid
Verlegedatum02.08.2017