Stolpersteine

Paul Steeg

geboren: 6. Mai 1874 in Bochum
gestorben: 11. November 1938 in Köln

Lebensweg

Düsseldorfer Straße

Bereits vor 1905 ist der aus Bochum stammende Paul Steeg auf der Düsseldorfer Straße in Ohligs ansässig. 1909 ist er Inhaber einer Spielwarenhandlung, 1910 wirbt er in einer Annonce für seinen „ Zentral-Bazar ". Steeg ist mit Emma Steinberg aus Castrop verheiratet (geboren am 20. Juni 1875).

Am 30. Juni 1905 wird den Eheleuten die Tochter Grete geboren. Diese geht von 1915 bis 1922 auf das Lyzeum in Ohligs und macht nach einem Aufenthalt in einem Mädchenpensionat eine kaufmännische Lehre im elterlichen Geschäft. Nebenher besucht sie die private Handelsschule Kaiser in Ohligs. Ab 1928 ist sie in der Buchhaltung des väterlichen Geschäfts tätig.

Nach ihrer Heirat mit Walter Wertheim (geboren am 14. August 1899) leitet sie von 1929 bis 1931 den Ein- und Verkauf der Firma H. Wertheim Nachf. in Iserlohn und Hemer. Im Juni 1931 ziehen Walter und Grete Wertheim nach Ohligs. Am 22. August 1931 lässt Wertheim die „Erwege" Einheitspreis-GmbH, deren Geschäftsführer er ist, in das Handelsregister eintragen. Später benennt er die Firma, die im Geschäftslokal Steegs untergebracht ist, in Walter Wertheim GmbH um. Grete ist für das Personal sowie die Abteilungen Textil-, Leder-, Schreib-, Papier- und Schuhwaren verantwortlich. Das Kleinpreis-Warenhaus hat 45 bis 60 Angestellte, an dem Gewinn ist Paul Steeg mit 40 % beteiligt. Sein eigenes Geschäft gibt er zum 10. Januar 1933 endgültig auf. Bereits seit 1931 ist er stellvertretender Repräsentant der Synagogengemeinde Solingen, 1937 bis zu seinem Tod dann stellvertretender Vorsteher.

Trotz der einsetzenden Boykottmaßnahmen läuft das Warenhaus Wertheim auch nach 1933 gut. Noch 1937 erzielt das Geschäft Gewinn, bei der „Arisierung" (Zwangsübertragung an einen nichtjüdischen Besitzer) im Jahre 1938 sind noch 49 Arbeitnehmer beschäftigt. Während der Reichspogromnacht 1938 werden das Geschäft und die Privatwohnungen der Familien demoliert. Paul und Emma Steeg wird untersagt, ihre Wohnung zu betreten. Das Ehepaar flieht nach Köln, wo Paul Steeg am Tage nach dem Pogrom im Jüdischen Asyl verstirbt.

Nur wenige Tage danach wandern Grete und Walter Wertheim über die Niederlande in die USA aus. Dort verrichtet Walter Wertheim bis November 1939 verschiedene Gelegenheitstätigkeiten, bis er 1940 ein Kolonialwarengeschäft erwirbt. Emma Steeg folgt den beiden im Frühjahr 1939. Sie verstirbt um 1970 in den USA.

Text: Armin Schulte

Stand: 30.5.2005

VerlegeortDüsseldorfer Straße 35
StadtteilOhligs/Aufderhöhe/Merscheid
Verlegedatum07.02.2006

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