Stolpersteine

Wilhelm Steeg

geboren: 31. Mai 1885 in Solingen-Ohligs
gestorben: 16. Februar 1944 in Köln-Klingelpütz

Lebensweg

Wilhelm Steeg nimmt als Soldat am Ersten Weltkrieg teil. Von 1920 bis 1923 betreibt er eine eigene Galvanisieranstalt, die er jedoch aufgrund der schlechten wirtschaftlichen Verhältnisse aufgeben muß. Seit 1930 ist der gläubige Katholik bei der Fa. Witte als Vernickler beschäftigt.

Als am 15. September 1943 ein ehemaliger Kollege auf Fronturlaub dem Betrieb einen Besuch abstattet, äußert sich Steeg kritisch über die deutschen Heeresberichte und schätzt nach Zeugenaussagen die tägliche Todesrate der „wie Hasen laufenden Deutschen" auf 10.000 Soldaten. Den Soldaten fordert er angeblich auf: „Bleibt doch hier, werft doch die Brocken hin und kommt doch nach Hause, dann hört der ganze Schwindel von selber auf." Am 20. September 1943 wird Steeg festgenommen. Er sitzt zunächst in Solingen, dann bis 14. Dezember 1943 in Wuppertal-Bendahl in Untersuchungshaft. Dann wird er nach Bonn überführt, wo er am 16. Dezember 1943 durch den Volksgerichtshof wegen „öffentlicher Wehrkraftzersetzung" zum Tode verurteilt wird.

Die Tage ab dem 12. Februar 1944 verbringt Steeg in der Todeszelle in Köln-Klingelpütz, wo er am 16. Februar 1944, nach der Ablehnung seines Gnadengesuches, hingerichtet wird. Als gläubiger Katholik läßt er sich auf seinem letzten Weg vom Gefängnispfarrer begleiten. Dieser schreibt am Hinrichtungstag an die Ehefrau: „Ich bin bei ihrem Mann gewesen bis alles vorüber war. Er läßt sie von Herzen grüßen und läßt Ihnen noch sagen, daß er mit Gott versöhnt aus diesem Leben gegangen ist. Ich kann Ihnen das als sein Seelsorger bestätigen, und ich glaube, daß es Ihnen ein Trost in Ihrem Schmerz sein wird, daß er auf seinen Wunsch heute noch einmal die hl. Sakramente empfangen hat."

Die Angehörigen bemühen sich um die Überführung der sterblichen Überreste nach Ohligs, werden jedoch vom Polizeipräsidium Köln abgewiesen. Erst nach Kriegsende gelingt es der Witwe, ihren Mann auf dem katholischen Friedhof in Ohligs bestatten zu lassen.

Ende 1948 steht dann Betriebsobmann Gustav Koch wegen der Denunziation 1943 von Steeg vor Gericht. Nach Vernehmung mehrere Zeugen erweist sich seine Rolle als mehr als zweifelhaft. Er wird deshalb zu 18 Monaten Haft wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit verurteilt.

Text: Armin Schulte

Stand: 16.4.2005

VerlegeortMerkurstraße 34a
StadtteilOhligs/Aufderhöhe/Merscheid
Verlegedatum26.08.2005

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