Stolpersteine

Mathilde Stern

geboren: 4. November 1876 in Geysa / Thüringen
gestorben: 8. Dezember 1941 im Ghetto Lodz

Lebensweg

Mathilde Stern kommt am 4. November 1876 in Geysa in Thüringen als Tochter des Viehhändlers und Handelsmannes Aron Stern und seiner Frau Nanni, geborene Goldberg, zur Welt. Während ihre Eltern bis zu ihrem Tode in Geysa bleiben, zieht es die drei Töchter Betti (geboren am 1. September 1867), Mathilde und Minna (geboren am 19. Oktober 1883) hinaus in die Welt. Als erste der drei kommt 1887 Betti Stern nach Solingen, wo sie zunächst als Verkäuferin und später als Geschäftsleiterin im Damenkonfektionshaus Alex Levi & Co. in der Hauptstraße 135-137 arbeitet. Mathilde gelangt im November 1900 über Amsterdam nach Solingen und findet ebenfalls Anstellung als Verkäuferin bei Levi & Co. Sie wohnt bei ihrer Schwester, noch im Dezember 1900 ziehen die beiden von der Hauptstraße 101 in das Geschäftshaus 135-137.

Während die beiden älteren Schwestern zeitlebens ledig bleiben, heiratet ihre jüngere Schwester Minna 1920 den Versicherungsagenten Hermann Friedberger, ein angesehenes Mitglied der jüdischen Gemeinde. Die beiden haben zwei Kinder.

Im „Dritten Reich" hält sich das seit 1927 Alfred Pieck gehörende Damenkonfektionshaus Alex Levi & Co., das zeitweise bis zu 30 Angestellte beschäftigt, trotz des NS-Boykotts noch bis 1936. Dann muss sich sein Besitzer mit seinen Gläubigern außergerichtlich vergleichen und wandert nach Palästina aus. Die Schwestern Stern ziehen im April 1936 von der Hauptstraße in die Flurstraße 4.

Am 4. September 1938 stirbt Minna Friedberger überraschend an einer Blutvergiftung, nur wenig später folgt ihr ihre Schwester Betti nach. Sie verstirbt kurz nach der „Reichspogromnacht" am 30. Dezember 1938 an einer Lungenentzündung. Im Beerdigungsregister heißt es: „Nach einem arbeitsreichen Leben waren ihr nur wenige Jahre der Ruhe vergönnt. Ihr Wirken war der Familie gewidmet."

Im August 1939 muss die nun allein lebende Mathilde in Anwendung des „Gesetzes über Mietverhältnisse mit Juden" zusammen mit anderen Mitgliedern der jüdischen Gemeinde in das Haus der Giesenows in der Wupperstraße 23 ziehen. Am 26. Oktober 1941 gehört sie dann zu den 17 ersten Solinger Juden, die per Massentransport von Düsseldorf nach Lodz deportiert werden. Unter den Verschleppten befinden sich auch ihr Schwager Hermann Friedberger und seine zweite Frau Helene sowie Mathildes Neffe Gerd Adolf.

Nur kurze Zeit kann die jüdische Gemeinde in Solingen noch den Kontakt in das von den Nazis in Litzmannstadt umbenannte Lodz aufrechterhalten. Am 2. Januar 1942 schreibt Georg Giesenow an Hermann Friedberger: „Grüßen Sie alle Solinger recht herzlichst und empfangen Sie und Ihre Gattin neben Frl. Stern und Gerd besondere Grüße (...)." Doch Mathilde Stern lebt zu diesem Zeitpunkt nicht mehr. Kurz nach dem Tod von Friederike Blondine Strauss am 16. November stirbt die 65jährige als zweite der Solingerinnen am 8. Dezember 1941 im Ghetto. Auch alle anderen Verschleppten werden die Deportation nicht überleben.

Text: Armin Schulte

Stand: 21.9.2010

VerlegeortFlurstraße 4
StadtteilMitte
Verlegedatum06.12.2010

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