Stolpersteine

Vera Stock

geboren: 15. Februar 1862 in Retowo
gestorben: 20. September 1942 im KZ Theresienstadt

Lebensweg

Grünewalder Straße von oben (Lutherkirche) aus gesehen

„Elka Dwera Meyerowitsch" kommt am 24. Oktober 1889 mit ihrem Mann, dem Maschinenbauer Itzko Stock (geboren am 8. Januar 1861 in Kiew) aus Leipzig nach Solingen und wohnt dort zunächst in der Malteserstraße 14. Dort befindet sich das Vereinshaus der evangelischen Gesellschaft für Deutschland, das, nach der großen Zahl der in den Bürgerrollen gemeldeten Menschen zu urteilen, zu dieser Zeit eine erste Anlaufadresse für Zuwanderer ist. Am 4. Mai 1891 kommt in Solingen Sohn Albert zur Welt, im Februar 1892 meldet sich die jüdische Familie nach Kiew ab. Zwölf Jahre später kehrt Vera Stock im August 1904 mit ihrem Sohn nach Solingen zurück. Sie lebt in der Grünewalder Straße 3 und betreibt dort zunächst unter dem Namen ihres Mannes einen Schreib- und Tabakwarenkleinhandel. Seit 1927 wird sie als „Ehefrau Stock" im Adressbuch der Stadt Solingen als Besitzerin geführt, seit 1936 dort mit dem Attribut „Witwe" versehen.

Ihr Sohn Albert ist Musiker und meldete sich oft für längere Zeit aus Solingen ab. Von 1920 bis 1924 lebt er bei seiner Mutter in der Grünewalder Straße. Seit Ende der 1920er Jahre hält sich Albert immer wieder in der Schweiz auf. 1932 heiratet er in Solingen die Schweizer Staatsangehörige Marta Falke, geborene Schwarz, aus Pinneberg, die im September 1931 (zwei Tage nach der Geburt ihres Sohnes Albert) nach Solingen gezogen war. 1932 meldet sich die Familie endgültig nach Pinneberg ab. Albert Stock überlebt das „Dritte Reich" und stirbt 1972 in Pinneberg.

Vera Stock bleibt alleine in Solingen zurück. In einem Verzeichnis der Ausländer in Solingen von 1939 wird sie als Russin mit Beruf Händlerin geführt. Im November 1938 zieht sie zunächst in das Haus von Friederike Blondine Strauss sowie Herta und Walter Brauer am heutigen Neumarkt 5, wo wenig später auch Gisela und Adolf Freireich Wohnung finden. Im Juni 1939 werden die Bewohner in das „Judenhaus" Pfaffenberger Weg 190 verlegt. Letzte Station vor ihrer Deportation ist am 28. Oktober 1941 ihre Einweisung in das Jüdische Altersheim in Elberfeld. Von hier aus wird sie am 20. Juli 1942 zusammen mit den anderen Bewohnern in das KZ Theresienstadt deportiert. Zunächst geht es vom Bahnhof Steinbeck nach Derendorf, wo die Nacht im Schlachthof verbracht werden muß. Am 21 Juli 1942 verlässt dann ein Güterzug mit 997 Juden Düsseldorf. Zwei Tage später erreicht er Theresienstadt. Die äußerst harten Lebensbedingungen im Lager überlebt die alte Frau nur kurze Zeit. Sie stirbt 80jährig am 20. September 1942.

Text: Armin Schulte

Stand: 13.3.2009

 

VerlegeortGrünewalder Straße 3
StadtteilBurg/Höhscheid
Verlegedatum04.12.2008

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