Stolpersteine

Paula Strauss

geborene Friesem
geboren: 25. März 1889 in Köln
gestorben: 5. Mai 1942 im Vernichtungslager Chelmno

Lebensweg

Paula, die älteste Tochter von Albert und Eva Friesem, wird in Köln geboren. Sie arbeitet als Dienstmädchen und hält sich 1907 vorübergehend in Salzuflen auf. Am 18. März 1910 heiratet sie den Solinger Stahlwarenhändler Adolf Strauss (geboren am 20. März 1879 in Solingen) und zieht mit ihm zunächst in die damalige Weststraße 6 (heute: Klemens-Horn-Straße). Nach dem Ersten Weltkrieg unterhält Adolf Strauss dann auf der Hauptstraße 239 ein eigenes Geschäft für Kurz-, Weiß-, Woll- und Spielwaren. Das Paar hat zwei Kinder: Am 3. Dezember 1911 wird Tochter Grete geboren, Sohn Erich kommt am 2. Mai 1913 in Solingen zur Welt.

Am 13. November 1931 stirbt Adolf Strauss im Bethesda-Krankenhaus an einem Nierenleiden. Nach der „Machtergreifung" der Nationalsozialisten im Januar 1933 sieht die Familie keine Zukunft mehr für sich in Deutschland. Beide Kinder bereiten sich auf die Auswanderung nach Palästina vor. Zu diesem Zwecke nimmt Erich an einer Schulung für Einwanderer (Hadschara) der jüdischen Organisation Hechaluz (hebräisch für Pionier) teil. In Geisleden bei Heiligenstadt in Thüringen beginnt er 1934 eine Ausbildung als Landwirt, stirbt jedoch dort am 27. Juni 1934 infolge einer Lungenentzündung. Er wird in Solingen auf dem jüdischen Friedhof beigesetzt.

Seine Schwester Grete, von Beruf Angestellte, bereitet sich von Mai 1934 bis Januar 1935 zusammen mit ihrem späteren Mann Jacob Vogel (geboren am 9. März 1910 in Dortmund) in Litauen auf die Auswanderung vor. Vogel hatte 1929 zunächst als Verkäufer und Innendekorateur bei der Firma Alsberg in Solingen gearbeitet und war dort zuletzt als Substitut in der Teppich- und Gardinenabteilung tätig gewesen. Eine im Hinblick auf die Auswanderung angestrebte Schleiferlehre war abgelehnt worden. In Litauen lässt er sich nun zum Maler und Anstreicher umschulen. Im September 1935 wandern er und Grete Strauss nach Zwischenaufenthalt in Solingen und Köln nach Herzlia aus. Sie heiraten, 1943 kann Jacob ein Farbengeschäft eröffnen, 1944 wird eine Tochter geboren.

Paula Strauss zieht im Juli 1934 zu ihrer Mutter Eva Friesem in die Kronprinzenstraße 7. Von März bis Mai 1941 lässt sie sich im Jüdischen Krankenhaus in Köln behandeln und hält sich im Juni und Juli 1941 in Herne auf. Am 17. Oktober 1941 zieht zusammen mit ihrer Mutter in die Walder Straße 58 um. Wenige Tage später, am 26. Oktober 1941, wird sie von dort mit dem ersten Sammeltransport Solinger Juden in das Ghetto von Litzmannstadt deportiert. Neben Paula Strauss gehören ihre Schwippschwägerin Friederike Blondine Strauss, deren Tochter Herta Helene und ihr Ehemann Walter Brauer, das Ehepaar Hermann und Helene Friedberger (geborene Spanier) und ihr Sohn Gerd Adolf, Emmi Leven (geborene Buchthal) und ihre Tochter Anita, das Ehepaar Simon und Henriette Meyerhoff (geborene Breuer), Mathilde Stern, das Ehepaar Alfred und Johanna Sobotki (geborene Alexander) und ihre Tochter Alice Bettenhausen, Hedwig Löb und Paula Weissfeldt (geborene Gombertz) zu den Verschleppten. Keiner von ihnen kehrt zurück. Nach neueren Informationen wird Paula Strauss am 5. Mai 1942 in das Vernichtungslager Chelmno deportiert und dort vergast. Da ihr Schicksal in den Nachkriegsjahren in Solingen nicht aufgeklärt werden kann, wird sie 1952 vom Amtsgericht Solingen für tot erklärt.

Text: Armin Schulte

Stand: 30.3.2009

VerlegeortKronprinzenstraße 7
StadtteilMitte
Verlegedatum04.12.2008

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