Stolpersteine

Franz Wenders

geboren: 13. April 1903 in Aachen
gestorben: 27. März 1945 in Dietz an der Lahn

Lebensweg

Franz Wenders wird 1903 in Aachen geboren. Er besucht dort zunächst die Volksschule, bis die Familie 1910 nach Verviers in Belgien umzieht. Es folgen vier Jahre Unterricht in einem Jesuitenkolleg. Nach erneutem Umzug nach Aachen wird Franz 1916 auf eigenen Antrag ein Jahr vor Ende der Ausbildung aus der Volksschule entlassen. Er arbeitet als Laufbursche, ist in der Landwirtschaft und einer Munitionsfabrik tätig, wird schließlich Bergmann. 1922 zieht er vorübergehend nach Solingen, wo er bei der Fa. Hammesfahr angestellt ist. In Wald gehört er dem Kommunistischen Jugendverband KJVD an. Von 1924 an arbeitet er 12 Jahre lang in den Niederlanden als Bergmann. 1936 wird er - inzwischen arbeitslos - nach Deutschland abgeschoben Erneut zieht er nach Solingen, dem Heimatort seiner Frau Mathilde. Das Ehepaar hat zu dieser Zeit bereits zwei Kinder, zwei weitere werden in Solingen geboren.

Wenders arbeitet zunächst bei einer Baufirma in Wald und ist seit November 1937 bei der Fa. Großmann als Gußputzer angestellt. Privat begeistert er sich für den Turnsport und ist in seinem Verein, dem VdfL Solingen 97, Turnwart.

Im Mai 1943 wird Wenders vom Betriebsobmann der Firma Großmann angezeigt. In diversen Äußerungen soll er sich abträglich über den nationalsozialistischen Staat geäußert haben. Die Gestapo nimmt Ermittlungen auf und kommt anhand von Zeugenaussagen zu folgendem Ergebnis: Bereits 1939 soll Wenders nach dem Münchener Attentat auf den „Führer" gegenüber einem Kollegen geäußert haben: „Schade, dass das Ding nicht gar war." 1941 habe er sich im Betrieb gegen das „Eiserne Sparen" des NS-Staates ausgesprochen und damit die „Spendenbereitschaft" seiner Kollegen beeinträchtigt. Im Mai 1943 schließlich habe er nach dem Fall von Tunis einen Kollegen angesprochen und gesagt: „Wissen Sie das Neueste, der Rommel ist krank. Das ist nun die zweite Armee, die sie jetzt verlieren. Das liegt an unserem genialen Führer. Es wird die Zeit kommen, wo auf jeden Nazi mit dem Finger gezeigt wird."

Da Wenders bereits von Ortsgruppenleiter S. wegen Äußerungen verwarnt ist und zudem nach Informationen der Gestapo auch in den Niederlanden ein Gegner des NS-Staates und „Spitzel der kommunistischen Partei" gewesen sei, wird den Aussagen seiner Kollegen in jeder Hinsicht Glauben geschenkt. Am 8. Juni 1943 wird er festgenommen und dem Haftrichter vorgeführt. Obwohl Wenders bis zuletzt den Kern der Aussagen bestreitet, verurteilt ihn das Sondergericht beim Landgericht Wuppertal am 18. November 1943 wegen „Heimtücke" zu einer Haftstrafe von drei Jahren: „Die Erklärungen des Angeklagten stellen gehässige, hetzerische und zugleich von niedriger Gesinnung zeugende Äußerungen über leitende Persönlichkeiten des Staates und der NSDAP, über ihre Anordnungen und die von ihnen geschaffenen Einrichtungen dar (...). Seine Bemerkungen zu dem Attentat und den Abschluss der Kämpfe in Tunis zeugen von tiefem Hass gegen den Führer."

Die Haftstrafe verbüßt Wenders in Anrath und Wolfenbüttel. Am 16. Februar 1945 wird er in die Haftanstalt Freiendiez verlegt. Bald erreicht die Familie keine weitere Nachricht mehr von ihm. Auch nach Kriegsende kehrt Wenders nicht zurück, bleibt spurlos verschwunden. Der Direktor der Haftanstalt Freiendiez behauptet im November 1945, Wenders habe sicher zu den Ausbrechern gehört, die die Ankunft der Amerikaner genutzt hätten. Doch leider ist dem nicht so.

Bereits am 21. Februar 1945 hat ein Arzt in der Strafanstalt die sofortige Verlegung von Wenders in ein Krankenhaus angeordnet, zu der es nicht mehr kommt. Wenders stirbt am 27. März 1945 in der Haftanstalt. Todesursache ist laut Todesurkunde des Standesamtes Diez von 1950: „Brand beider Füße durch Erfrieren, Blutvergiftung durch Begleitbakterien, Herz- und Kreislaufschwäche." Der Todesfall wird zwar am 30. März vom Anstaltspfarrer behördlich angezeigt, eine Benachrichtigung an die Familie unterbleibt jedoch.

Text: Armin Schulte

Stand: 28.9.2008

Quellen
  • Landesarchiv NRW - Abteilung Rheinland - RW 58 Nr. 5942.

 

VerlegeortKotzerter Straße 25
StadtteilWald
Verlegedatum14.01.2012

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