Bienenhaltung

Das Bergische Veterinär- und Lebensmittelüberwachungsamt (BVLA) ist zuständig für die Bienenhalter in den Städten Solingen, Remscheid und Wuppertal.

Informationen für Neuimker

Hinweise für Erwerber von Kleinsthaltesysteme für Honigbienen, wie z. B. im Fernsehbeitrag von VOX zur www.easybeebox.de vorgestellt.

Die Honigbienenhaltung (Imkerei) unterstützt aktiv den Erhalt der Natur. Über die Medien werden jedoch vermehrt Kleinsthaltesysteme für Honigbienen, auch mit dem Hinweis „kein Kontakt mit den Bienen erforderlich" beworben. An die Imkervereine im Städtedreieck treten zurzeit vermehrt Erwerber dieser „Bienenboxen" heran, die Bienen erwerben möchten.
Das Bergische Veterinär- und Lebensmittelüberwachungsamt weist Neuimker im Städtedreieck Remscheid, Solingen und Wuppertal darauf hin, dass jeder mit der Anschaffung von Honigbienen Tierhalter wird und sich aus dieser Tierhaltung Pflichten ergeben. Wer ein Tier, wozu auch die Honigbiene zählt, hält, muss über die für eine angemessene Ernährung, Pflege und verhaltensgerechte Unterbringung erforderlichen Kenntnisse und Fähigkeiten verfügen.
Kleinsthaltesysteme für Honigbienen sind aus tierschutzrechtlicher Sicht problematisch, da ein Bienenvolk im Winter die Volkgröße betreffend „stark" genug - also in ausreichender Bienenanzahl - eingewintert werden muss. Die Bienenmenge schützt die in der Mitte befindliche Königin und das gesamte Bienenvolk durch ihre Bewegung vor dem Erfrieren. Schwach eingewinterte Völker verenden oft im Winter.
Die gute imkerliche Praxis zielt darauf ab Bienenvölker gesund und vital zu erhalten. Eine „kontaktlose" Kleinsthaltung steht dem entgegen. Die Begutachtung der Bienen und der Umgang mit dem Bienenvolk sind zentrale Elemente der Bienenhaltung. Ein verantwortungsbewusster Imker selektiert - auch im Sinne seiner Nachbarschaft - auf Sanftmut (u. a. Austausch der Königin). Ein verantwortungsvoller Imker sieht anhand der Begutachtung der Bienen und des Wabenbaus, ob seine Bienen gesund sind oder mit Parasiten befallen sind. Weiter kann der Schwarmbildung nicht entgegengewirkt werden, wenn eine kontaktlose Haltung praktiziert wird. Die Vermehrung der Bienenvölker erfolgt durch Teilung eines Volkes. Das neue Bienenvolk erhält eine geeignete Behausung, zudem hilft aber die Haltung mehrerer Bienenvölker beim Gesunderhalt des Gesamtbestandes (bei Bedarf Möglichkeit des Zusammenlegens von Völkern, etc.).
Die Bewerbung einer „kontaktlosen" Bienenhaltung in Kleinsthaltungseinheiten mit in der Regel Einzelvolkhaltung bedingt, dass im Rahmen der Tierhaltung essentielle Maßnahmen nicht erfolgen, die das Überleben des Einzelvolkes gefährden können.

Neben den privatrechtlichen Rahmenbedingungen, die sich aus der Standortwahl ergeben, sind tierseuchenrechtliche Vorgaben zu beachten: Jeder Neuimker hat gemäß Bienenseuchen-Verordnung die Haltung von Honigbienen - spätestens bei Beginn - der zuständigen Tierseuchenkasse und dem zuständigen Veterinär- und Lebensmittelüberwachungsamt anzuzeigen. Weiter muss bei Verlegung des Standortes der Bienenvölker über die Kreis- oder Stadtgrenzen hinweg, eine amtstierärztliche Bescheinigung von der für den bisherigen Standort zuständigen Veterinärbehörde eingeholt und unverzüglich nach Eintreffen am neuen Standort der dort zuständigen Veterinärbehörde vorgelegt werden. Diese erste Standortverlegung ist in der Regel der Erhalt der Honigbienen durch den Neuimker.
Der Empfang von Honigbienen aus dem EU- Ausland ist ohne die Einhaltung der veterinärrechtlichen Bescheinigungsvorgaben aus tierseuchenrechtlichen Gründen nicht erlaubt.
Anzeichen einer anzeigepflichtigen Bienenseuche (u. a. Amerikanische Faulbrut, Kleiner Beutenkäfer, Tropilaelaps-Milbe) sind umgehend beim Veterinäramt anzuzeigen.

Allen Neuimkern oder besser, jedem, der mit der naturverbundenen Honigbienenhaltung beginnen möchte, wird empfohlen vor Aufnahme der Tierhaltung Schulungs- und Beratungsangebote der Bieneninstitute und der dort eingebundenen staatlichen Fachberater oder der Imker-Organisationen mit Lehrbienenständen wahrzunehmen.

Wanderbescheinigungen

Wanderungen innerhalb der drei Städte sind dem BVLA schriftlich mitzuteilen.

Das Wandern und Verbringen einschließlich Verkauf an Standorte außerhalb der Städte Solingen, Remscheid oder Wuppertal ist nur mit amtstierärztlicher Bescheinigung erlaubt.

Voraussetzung für den Erhalt der amtstierärztlichen Bescheinigung
  • Klinische Untersuchung und Probennahme durch vom Amt anerkannte Bienensachverständige
  • Ein negativer Untersuchungsbefund einer Futterkranzprobe

Probenahmen im eigenen Bestand im Rahmen von Eigenkontrollen ersetzen keine amtlich durchgeführten Untersuchungen / Probenahmen.

Die Bienensachverständigen sind verpflichtet, Ihre Fortbildung regelmäßig nachzuweisen, um amtlich anerkannt zu werden.

Die amtlich anerkannten Bienensachverständigen, und somit Ansprechpartner für Sie, entnehmen Sie bitte der Liste unter Downloads.

Bienen bitte nicht füttern

In letzter Zeit häufen sich Berichte über wohlmeinende Naturfreunde, die zur Unterstützung von Honigbienen und/oder Wildbienen Zuckerlösungen oder sogar Honig im Freien als „Bienenfutter" bereitstellen.
Honige, die als Lebensmittel im Handel erhältlich sind, enthalten in vielen Fällen einen für Bienen gefährlichen Krankheitserreger, der bei diesen die Amerikanische Faulbrut der Bienen, eine schwere Erkrankung der Bienenbrut, auslöst.
Bei der Amerikanischen Faulbrut handelt es sich um eine anzeigepflichtige Tierseuche, die für den Menschen zwar völlig ungefährlich ist, sich aber schnell von Bienenvolk zu Bienenvolk verbreiten und dabei Tierverluste zur Folge haben kann.
Befallen wird ausschließlich die Bienenbrut, d.h. die nachgezogenen Larven. Befallene Bienenlarven sterben noch vor der Entwicklung zur Arbeiterin ab, so dass das gesamte Bienenvolk geschwächt wird. Starker Befall kann sogar zum Absterben von Bienenvölkern führen. In seiner Sporenform kann der Erreger sowohl in der Umwelt als auch in Wachs oder Honig über eine lange Zeit überleben.
Auch das Anbieten von Zuckerlösungen an für Bienen zugänglichen Stellen ist grundsätzlich abzulehnen, da es hierdurch (je nach Jahreszeit und Trachtverhältnissen) zur Verfälschung des produzierten Honigs kommt.
So wird durch die Honigverordnung vorgegeben, dass unter Honig nur „der natursüße Stoff, der von Honigbienen erzeugt wird, indem die Bienen Nektar von Pflanzen oder Sekrete lebender Pflanzenteile oder sich auf den lebenden Pflanzenteilen befindende Exkrete von an Pflanzen saugenden Insekten aufnehmen, durch Kombination mit eigenen spezifischen Stoffen umwandeln, einlagern, dehydratisieren und in den Waben des Bienenstocks speichern und reifen lassen." (s. § 1 in Verbindung mit Anlage 1 Abschnitt I Honigverordnung). D.h. für die Honigproduktion dürfen nur von Honigbienen gesammelter Blütennektar oder die gesammelten Sekrete von Insekten (hier Blattläuse), die sich vom Pflanzensaft lebender Pflanzen ernähren, verwendet werden.
Wenn die Sammlerinnen eines Bienenvolkes hingegen in Schalen angebotene Zuckerlösung anstelle von echtem Blütennektar eintragen, so darf der hieraus von den Bienen produzierte Futtersirup nicht mehr als Honig in Verkehr gebracht werden.
Wenn sich nach der letzten „Honigernte" für das Jahr zeigt, dass die Futtervorräte des Bienenvolkes für den anstehenden Winter zu knapp sind, versorgen die Imker*innen ihre Bienenvölker mit einer geeigneten Futterlösung. Ab diesem Zeitpunkt darf aus lebensmittelrechtlicher Sicht kein Honig mehr gewonnen werden. Diese Fütterung an sich erfolgt innerhalb der Bienenwohnungen, so dass die Futterlösung nur für die Bienen des jeweiligen Volkes zugänglich ist und damit von Sammlerinnen anderer Völker, von denen ggf. noch Honig gewonnen werden soll, nicht aufgenommen werden können.
Wildbienenarten sind hingegen häufig sehr spezialisiert auf bestimmte Trachtquellen, so dass hier durch eine künstliche Fütterung kaum ein geeignetes Nahrungsangebot geschaffen werden kann.
Sowohl für Honigbienen als auch für die verschiedenen bei uns heimischen Wildbienenarten ist und bleibt damit die Bepflanzung des eigenen Gartens oder Balkons mit nektar- und pollenreichen Blühpflanzen sowie das Anbieten geeigneter Nisthilfen die effektivste Hilfe zum Erhalt der Populationen.

 

Rechtliche Grundlagen

Bienenseuchen-Verordnung, Tierseuchengesetz

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