Mai 2017: Ausbildung ist Zukunft

Für unsere Wirtschaft und für unsere Stadt

Portrait: Tim Kurzbach

Liebe Solingerinnen und Solinger,

Mitte Mai hat die Industrie- und Handelskammer Remscheid, Solingen, Wuppertal ihren Konjunkturlagebericht für das Frühjahr 2017 vorgelegt. Die Berichte basieren auf regelmäßigen Umfragen in der heimischen Wirtschaft. Diesmal beteiligten sich 514 Unternehmen mit rund 23.300 Beschäftigten. Der Bericht zeichnet ein paradoxes Bild:

Während die Stimmungskurve in Remscheid und Wuppertal auf Spitzenwerte angestiegen ist, zeigt sie für Solingen nach einem Hoch im Herbst jetzt deutlich nach unten. Die IHK erklärt den Knick mit der aktuellen Entwicklung in der Schneidwarenindustrie, in der immer noch jeder fünfte Solinger Arbeitnehmer beschäftigt ist. Dieser Markt laufe im Moment nicht so gut, sagt IHK-Präsident Thomas Meyer. Trotzdem schätzten 96 Prozent der befragten Unternehmen im Städtedreieck ihre Geschäftslage als gut und befriedigend ein - also auch Solinger Unternehmen. Kann es denn sein, dass die Stimmung in Solingen schlechter ist als die Lage?

Steigt man tiefer in den IHK-Bericht ein, zeigen sich noch mehr Widersprüche: So rechnet die Mehrheit der befragten Unternehmen trotz leichter Stimmungseintrübung immer noch damit, dass Umsätze und Gewinne auch in Zukunft weiter wachsen werden und erklärt, mehr Menschen beschäftigen und mehr Ausbildungsplätze anbieten zu wollen.

Doch wie passt es zu dieser Aussage, fragt man sich, dass die Realität in Solingen so ganz anders aussieht? Ende März hat der Solinger Ausbildungsmarkt einen Tiefpunkt erreicht. Zur Halbzeit des laufenden Ausbildungsjahres haben die Solinger Betriebe erst knapp 500 Ausbildungsstellen gemeldet; der schlechteste Wert seit fünf Jahren.

Anstieg der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten in sechs Jahren um über 13 Prozent

Ich verkenne nicht, dass die eher kleinen und mittelgroßen Solinger Unternehmen schwer kämpfen müssen, um an ihren Märkten zu bestehen und ein Konjunkturknick ihnen das Leben nicht leichter macht - aber Pessimismus lähmt. Es ist das Wesen der Konjunktur, dass sie in Zyklen verläuft und nicht nur aufwärts zeigt. Über einen längeren Zeitraum betrachtet, geht es aber weder im Städtedreieck noch in Solingen bergab. Im Gegenteil: Der Arbeitsplatzabbau in Remscheid, Solingen und Wuppertal hatte seinen Tiefpunkt im Jahr 2010 erreicht. Seitdem ist die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten kontinuierlich gestiegen. In Solingen lag die Steigerungsrate zwischen 2010 und 2016 mit 13,5 Prozent sogar höher als im NRW-Durchschnitt (12,2 Prozent). Auch die Bevölkerungszahl steigt seit Jahren wieder an: Es gibt gute Gründe dafür, Solingen als wachsende Stadt in einer aufstrebenden Metropolregion Rheinland zu begreifen.

Statistik zur prozentualen Arbeitsplatzentwcklung in Solingen 2000 bis 2016 (Urheber IHK)
Statistik zur prozentualen Arbeitsplatzentwcklung in Solingen 2000 bis 2016 (Urheber IHK)

Statistik zur Arbeitsplatzentwcklung in Solingen 2000 bis 2016 in absoluten Zahlen (Urheber IHK)
Statistik zur Arbeitsplatzentwcklung in Solingen 2000 bis 2016 in absoluten Zahlen (Urheber IHK)

Auch wenn die positive Entwicklung nicht mehr ganz so steil verläuft - Zeichen dafür, dass ein jäher Konjunkturabsturz bevorstehen würde, gibt es nicht. Das erklärt ja auch die insgesamt gesehen „Super-Laune" der bergischen Unternehmerinnen und Unternehmer bei der IHK-Umfrage. Warum dann die Zurückhaltung bei der Ausbildung?

Dank Mark Twain wissen wir, dass Prognosen schwierig sind, insbesondere, wenn sie die Zukunft betreffen, aber eines ist nur allzu gewiss: Zwischen 2020 und 2030 wird fast jeder fünfte Beschäftige in Solingen die Altersgrenze erreichen und ausscheiden - überwiegend qualifizierte Fachkräfte. Es ist diese Entwicklung, die den Wirtschaftsstandort Solingen wirklich gefährdet. Tatsächlich befürchtet laut IHK inzwischen schon jedes fünfte Unternehmen (21 Prozent) im Städtedreieck, dass Fachkräftemangel zum Risiko für die Unternehmensentwicklung wird. Das Handwerk ringt schon die Hände nach qualifiziertem Nachwuchs!

Wettbewerb um die jungen Talente hat längst begonnen

Umdenken tut deshalb not: Es wird höchste Zeit für die Umkehr im Ausbildungsmarkt! Die Zahl der Schulabgängerinnen und Schulabgänger wird auch nicht größer. Solingen muss mit dabei sein! Sonst haben die Metropolen an Rhein und Ruhr die Nase vorn! Und unsere Stadt verliert junge Menschen, die wir doch selbst dringend hier benötigen.

Deshalb habe ich am 18. Mai zusammen mit IHK-Präsident Thomas Meyer, mit Kreishandwerksmeister Arnd Krüger, mit Horst Gabriel, dem Vorsitzenden des Arbeitgeberverbandes und mit dem Leiter der Solinger Agentur für Arbeit, Martin Klebe, eine Ausbildungskampagne gestartet. Im ersten Schritt erhielten die ausbildenden Solinger Unternehmen ein gemeinsames Schreiben mit der Bitte noch freie Ausbildungsplätze für 2017 zu melden.

Start der Ausbildungskampagne 2017 am 17. Mai 17 im Büro des Oberbürgermeisters (Urheber Klingenstadt)
Start der Ausbildungskampagne 2017  
in meinem Büro im Alten Rathaus Solingen.

Im Herbst wollen wir gemeinsam zu einem „Unternehmertag Ausbildung" einladen, um gemeinsam die Chancen und Herausforderungen im Solinger Ausbildungsmarkt zu erörtern. Ein Ruck muss durch die Klingenstadt gehen.

Deshalb, verehrte Betriebsleiterinnen und Betriebsleiter, Geschäftsführerinnen und Geschäftsführer, meine Damen und Herren Personalverantwortlichen, wir haben eine gemeinsame Verantwortung für die Zukunft unserer Klingenstadt: Prüfen Sie, ob Sie nicht doch noch einen Ausbildungsplatz anbieten können. Ich bitte herzlich!

Ihr und Euer

Tim Kurzbach
Oberbürgermeister

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