Das Glück in der Krise: Solingen ist solidarisch

Wir wir einander trotz der Corona-Kontaktsperre nicht allein lassen

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Liebe Solingerinnen und Solinger,

in den vergangenen Tagen habe ich sehr oft an eine Gelegenheit zurück gedacht, wo ich anlässlich eines Neujahrsempfangs mal über das Thema Glück gesprochen habe. Ich habe die Frage in den Mittelpunkt gestellt: Was bedeutet eigentlich Glück?

Glück: Das sind eben oft diese vielen kleinen Dinge. Ich habe den Menschen damals im Saal gesagt, wie schön es ist, dass wir hier alle beieinandersitzen können und alle gesund sind. Die Busse fahren, die Kliniken funktionieren, wenn es einem nicht so gut geht, und so viele Menschen sind jeden Tag da und sorgen sich um uns. Ist das nicht ein großes Glück?

Ich hätte mir nicht träumen lassen, dass diese Gedanken auf einmal so bittere Realität werden - indem wir spüren, was gerade alles wegbricht von dem, was uns lieb und wichtig ist. Und wie sehr wir im Alltag auf dieses kleine Glück angewiesen sind.

Im Moment müssen wir im Rathaus viele Dinge parallel organisieren. Dieser Virus ist da und er kommt immer näher auf uns zu. Wir mussten im Rahmen der gebotenen Schutz-Maßnahmen viele Freiheitsrechte einschränken. Ich weiß, wie vielen Menschen es beispielsweise schwer fällt, ihre Läden zu schließen. Wie viele Existenzen davon abhängen und wie viele Menschen sich gerade große Sorgen machen.

Aber es gibt keine Alternative dazu. Wir MÜSSEN uns schützen! Und leider haben viel zu viele es noch nicht verstanden, wie dringlich die Lage ist. Ja, auch ich sehe, wie schön das Wetter gerade ist. Aber ich weiß auch, wie groß die Gefahr ist! Und wenn es vielleicht in dem Moment gerade nicht um mich geht, dann geht es unmittelbar um meinen Nächsten. Und deswegen rufe ich auch an dieser Stelle nochmal eindringlich dazu auf: Nehmen Sie den Virus nicht auf die leichte Schulter!

Er ist gefährlich und viel zu viel ist am Beginn darüber spekuliert werden, ob es denn wirklich so wäre. Ich glaube, jetzt zweifelt keiner mehr daran. Wir haben es selbst in der Hand und niemand anderer ist dafür verantwortlich, dass unser Zusammenleben auch mit diesen Schutzmaßnahmen funktioniert. Jeder und jede muss jetzt auch mit anpacken. Und ich sage Ihnen eins ganz klar: Ich werde als Oberbürgermeister dieser Stadt jede erdenkliche Maßnahme ergreifen und vorbereiten lassen, um das Leben meiner Mitbürgerinnen und Mitbürger zu schützen. Deswegen bitte ich Sie: Schauen Sie regelmäßig auf unsere Homepage und auf unsere Facebook-Seiten. Hier werden Ihnen alle Entwicklungen und notwendigen Änderungen mitgeteilt.

In diesen Tagen habe ich oft das bekannte Lied im Ohr: „Komm, lieber Mai, und mache / die Bäume wieder grün, / und lass mich an dem Bache / wieder spazieren geh´n." Dieses Lied drückt so viel davon aus, wie sehr man sich wünscht, nach einer langen und dunklen Winterzeit wieder nach draußen gehen zu dürfen. Ja ich kann dieses Gefühl gut nachvollziehen, auch ich wünschte mir, es wäre schon so weit. Aber das Lied hat leider auf unsere Situation sehr zutreffend Recht: „Komm, lieber Mai...": Gebe Gott, dass wir es bis zum Mai geschafft haben, dass das Schlimmste dann hinter uns liegen möge.

In der unmittelbaren Gefahr brauchen wir all die Menschen, die jetzt mit anpacken. Wir sind sehr dankbar für die Ärztinnen und Ärzte, alle Menschen aus medizinischen Berufen, der Pflege und der Hospiz-Arbeit, die seit etlichen Wochen bis an ihre Grenzen gehen oder sich jetzt auf unseren Aufruf in den sozialen Medien gemeldet haben. Ihnen gilt der große Dank aller Menschen aus Solingen, jetzt und für die Zukunft!

Liebe Solingerinnen und Solinger: Ich brauche Sie alle, damit wir einander nicht alleine lassen. Eine Situation, in der viele Menschen auf einmal eine lange Zeit zu Hause bleiben müssen, darf nicht dazu führen, dass wir alleine sind und unsere Sorgen und Nöte zuhause übergroß werden könnten. Und deswegen, und da bin ich wirklich stolz auf meine Heimatstadt, haben wir die Aktion "Solingen solidarisch" gestartet. Auf unserer Homepage finden Sie alle Informationen dazu.

Da malen beispielsweise Kinder, die jetzt zuhause sind, Bilder oder sie schreiben Briefe an Kranke, Einsame und Senioren - eine tolle Kooperation unserer Jugendförderung und Seniorenberatung, die Absender und Empfänger auf dem Postweg zusammenbringt. Wir haben Hotlines geschaltet für alle, die sich jetzt Sorgen machen und Beratung brauchen. Wir informieren über Service-Angebote und sind im Rathaus selbst ganz begeistert über die vielen digitalen Netzwerke, die in dieser kurzen Zeit schon in den verschiedenen Stadtteilen entstanden sind.

Nochmal: Wir hier im Rathaus, wir sind bereit alles zu geben für die Sicherheit und den Zusammenhalt unserer Mitbürgerinnen und Mitbürger. Wir brauchen Sie! In der ernsthaften Erkenntnis der Gefahr, im Mitanpacken in der Sorge um den und die Nächste, und in der guten Hoffnung - denn die dürfen wir nie verlieren -, dass es eines Tages einen Frühling geben möge, in dem wir wieder zusammen sind und das Leben genießen können.

Bleiben Sie gesund, passen Sie auf sich und den Nächsten auf.
Und dann sehen wir uns bald wieder.

Ihr

Tim-O. Kurzbach
Oberbürgermeister

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