Der Brandanschlag von 1993

Tafel am Mahnmal zur Erinnerung an die Opfer des Brandanschlags vom 29.05.1993
...und seine Folgen bis heute

Rostock, Mölln, Hoyerswerda -  eine ganze Reihe ausländerfeindlicher Attacken erschütterte Deutschland zu Beginn der 90er Jahre.Den traurigen Höhepunkt bildete der Anschlag in Solingen.

Am 29. Mai 1993, einem Pfingstsamstag, verübten vier junge Männer mit Verbindungen in die rechtextreme Szene einen Brandanschlag auf das Wohnhaus der Familie Genç an der Unteren Wernerstraße, bei dem zwei junge Frauen und drei Mädchen ums Leben kamen:

  • Gürsün Ince (26)
  • Hatice Genç (18)
  • Gülüstan Öztürk (12)
  • Hülya Genç (9)
  • Saime Genç (4)

Für die Familie, die nach wie vor in Solingen lebt, ist der Anschlag bis heute eine furchtbare Tragödie, an deren Folgen sie leidet. Viele Solingerinnen und Solinger erlebten den Gewaltausbruch in der eigenen Stadt als Schock. Zugleich war es für sie ein Anstoß, zuzugehen auf unbekannte Nachbarinnen und Nachbarn anderer Nationen. In der kommunalpolitischen Debatte erhielten Integration und Zuwanderung einen höheren Stellenwert. Was von 1993 deshalb auch in Erinnerung blieb, ist das überwältigende Eintreten der Solingerinnen und Solinger gegen Gewalt und Rassismus - quer durch alle Bevölkerungsgruppen.

Heute ist das Zusammenwachsen der in Solingen lebenden Menschen - mit ihren unterschiedlichen Herkünften, Glaubensüberzeugungen und Traditionen - zu einer friedlichen und bunten Stadtgesellschaft ernsthaftes Anliegen aller, die in dieser Stadt Verantwortung tragen. Viele Menschen sind überzeugt, mitverantwortlich zu sein für die Bewältigung des Anschlages und für das nachhaltige Gelingen des Zusammenlebens in Solingen.

Bürgerinnen und Bürger initiierten Projekte, die Zeichen setzten: So entstand bereits 1994 auf Initiative der Jugendhilfewerkstatt ein Mahnmal, das heute vor dem Mildred-Scheel-Berufskolleg steht und das zu einem beeindruckenden Wall aus persönlichen Bekenntnissen gegen Hass und Gewalt angewachsen ist. Auch das „Solinger Bündnis für Toleranz und Zivilcourage", in dem viele verschiedene gesellschaftliche Gruppen und Persönlichkeiten mitarbeiten, entstand aus dem Bedürfnis, nicht untätig bleiben zu wollen.

Das Bündnis koordiniert auch die Planungen zum Gedenken an die Jahrestage des Brandanschlags. Viele Initiativen, Vereine und Institutionen wie Kirchen- und Moscheegemeinden beteiligen sich. Es besteht Einigkeit darin, dass der Blick nicht nur zurück, sondern auch nach vorn gerichtet werden muss - auf ein friedliches und gelingendes Zusammenleben der Gesellschaft in Toleranz und Vielfalt.

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