Elternkontakte

Stand 08.2018

Sie werden sich vielleicht fragen: „Warum soll das Kind noch Kontakt zu seinen Eltern haben?“ – gerade wenn es bis zum Erwachsensein in einer Pflegefamilie lebt, gerade wenn die Eltern sich vielleicht nicht so gut um das Kind gekümmert haben. Hierauf gibt es zwei Antworten – eine rechtliche und eine psychologische.

Die rechtliche Antwort

Nach den Vorschriften des Bürgerlichen Gesetzbuches (hier: §1684 BGB) hat „das Kind (…) das Recht auf Umgang mit jedem Elternteil; jeder Elternteil ist zum Umgang mit dem Kind verpflichtet und berechtigt“. Hieraus ergibt sich ein klarer Rechtsanspruch des Kindes und der Eltern auf Kontakt. Dieser Anspruch lässt sich nur in ganz wenigen besonders gelagerten Fällen umgehen.

Die psychologische Antwort

Kindern sind immer ihre Wurzeln und ihre Identität wichtig. Je nach Lebensphase beschäftigen sie sich ganz intensiv mit diesen Fragen. Ganz viel lernen und erfahren Kinder in der Pflegefamilie. Trotzdem kommt bei den allermeisten Pflegekindern die Frage nach den eigenen Eltern auf. Durch regelmäßige Kontakte können die Kinder sich immer wieder ein Bild von ihren Eltern machen und verlieren nicht gänzlich den Kontakt zu ihnen.

Die Besuchskontakte bei Dauerpflegeverhältnissen finden meist einmal im Monat statt. In der Anfangsphase finden die Besuchskontakte in den Räumlichkeiten des Pflegekinderdienstes statt und werden von einem/r Mitarbeiter/in begleitet. Verlaufen die Besuchskontakte positiv können sie zwischen Pflegeeltern und Eltern frei abgesprochen werden – innerhalb eines vorher besprochenen Rahmens. Sie können dann auch bei den Eltern oder den Pflegeeltern zu Hause oder an anderen Orten stattfinden.

Bei den anderen Pflegeformen wird von einer Rückkehr des Kindes in seine Familie ausgegangen. Daher finden die Kontakte häufiger und intensiver statt.

Die Elternkontakte sind wichtig für das Kind, trotzdem können sie (aber müssen nicht) für alle Beteiligten belastend sein. Für die Eltern, die traurig sind, dass ihr Kind nicht bei ihnen leben kann, sich vielleicht dafür auch schämen. Für die Pflegeeltern, die ihr Pflegekind in und nach einer solchen Besuchssituation verunsichert sehen, wo es denn hingehört. Und für das Pflegekind, das die Spannungen zwischen den Erwachsenen spürt, sich manchmal fragt, wer denn wirklich seine Mama und sein Papa sind. Manchmal treffen zwischen Eltern und Pflegeeltern auch sehr unterschiedliche Vorstellungen von Erziehung, von Lebensgestaltung, von Werten und Normen aufeinander. Gefragt sind dann ein hohes Maß an Toleranz, Verständnis und das Wissen über die Notwendigkeit und Wichtigkeit der Kontakte für das Kind. Selbstverständlich besteht die Möglichkeit über Konflikte oder ungute Gefühle mit den Mitarbeitern/innen des Pflegekinderdienstes zu sprechen und die Supervisionsgruppen dafür zu nutzen.

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