In neun Jahren zum Abitur?

Stand 06.2017

Seit Jahresbeginn läuft das Volksbegehren "G9 jetzt in NRW". Ziel dieser Unterschriften-Aktion ist die Rückkehr zu einer Regelschulzeit mit dem Abitur nach neun Jahren - also in Klasse 13. Ab dem Jahr 2005 war das so genannte G8 oder "Turbo-Abi" nach Klasse 12 eingeführt worden. Die Volksinitiative "G9 jetzt!" hatte im vergangenen Jahr 3.000 Unterschriften stimmberechtigter Bürgerinnen und Bürger gesammelt und damit ein  Volksbegehren ermöglicht.

Seit dem 5. Januar dürfen die Initiatoren nun zwölf Monate lang überall Unterschriften für das G9 sammeln. Alle 396 Städte und Gemeinden in NRW sind entsprechend des Zulassungs-Beschlusses der Landesregierung vom 13. Dezember zudem verpflichtet, die von der Initiative zur Verfügung gestellten Unterschriftenlisten öffentlich auszulegen, und zwar vom 2. Februar bis zum 7. Juni. Anschließend dürfen die Initiatoren noch bis zum 4. Januar 2018 weitere Unterschriften sammeln.

Unterschriftenlisten in Solingen

In Solingen werden diese Listen zu den üblichen Öffnungszeiten in allen drei Bürgerbüros an der Gasstraße, der Kieler Straße und in den Clemensgalerien ausliegen - in Ohligs allerdings nur bis zum 7. April, weil das dortige Bürgerbüro wieder zum Briefwahl-Lokal für die anstehende Landtagswahl wird. Zusätzlich haben die Bürgerbüros in Mitte und Ohligs für Unterschrifts-Willige an folgenden Sonntagen von 10 bis 14 Uhr geöffnet:

  • 19. Februar
  • 26. März
  • 30. April
  • 28. Mai

Wer darf unterschreiben?

  • Deutsche Staatsangehörige, die in NRW ihren Hauptwohnsitz haben
  • Mindestalter 18 Jahre

Volksentscheid

Stimmen acht Prozent der Stimmberechtigten zu - das wären 1,06 Millionen Bürgerinnen und Bürger landesweit oder rund  10.000 in Solingen -, kann der Landtag diesem Begehren  in einer neuerlichen Abstimmung folgen. Lehnt der Landtag den Antrag ab bzw. setzt er sich nicht innerhalb von zwei Monaten mit dem Votum des Volksbegehrens auseinander, kommt es zu einem Volksentscheid.. Dieser wäre erfolgreich und das daraus resultierende Gesetz bindend, wenn rund zwei Millionen Wählerinnen und Wähler (15 Prozent aller NRW-Bürger) für das Abitur in Klasse 13 stimmen.

Hintergrund

Da die Zahl der sogenannten Jahreswochenstunden am Gymnasium deutschlandweit festgelegt ist (265), haben Schüler am G8-Gymnasium durchschnittlich 33,1 Stunden Unterricht in der Woche. Bis zum Jahr 2013 waren es beim Abitur nach 13 Jahren 29,4 Schulstunden. Damit hatten die Kinder in den Klassen 5 bis 10 im Allgemeinen sechs Stunden Unterricht am Tag, so dass sie gegen 13:20 Uhr die Schule verlassen konnten. Mit dem Turbo-Abi wurde außerdem die 7. Unterrichtsstunde verboten und durch eine 60-minütige Pause ersetzt, so dass der Unterricht an den meisten Gymnasien in der Klasse 6 an einem Tag und ab Klasse 7 an zwei Tagen in der Woche erst um 15:50 Uhr endet.

Dies werde von vielen Schülerinnen, Schülern und ihren Eltern als belastend empfunden, zumal angesichts der noch zu erledigenden Hausaufgaben wenig Zeit für außerschulische Aktivitäten wie Sport, Musik, ehrenamtliche Aktivitäten oder das Treffen mit Freunden bleibe, argumentieren die Initiatoren des Volksbegehrens in NRW. Bereits vor fünf Jahren habe eine repräsentative EMNID-Umfrage gezeigt, dass 79 Prozent der Eltern eine Rückkehr des Gymnasiums zu G9 und eine Verringerung der Wochenstundenzahl wünschen würden. Auch in Bayern wurde schon die Abschaffung von G8 angestrebt. Die dortigen Initiatoren ("Freie Wähler") scheiterten 2014 jedoch mit ihrem Volksbegehren, da sie nicht genügend Unterschriften sammeln konnten.