Gegen Hass im Netz

Prävention von „Hate Speech" und digitaler Gewalt in Solingen

Liebe Solingerinnen und Solinger,

Alle, die sich in sozialen Netzwerken tummeln, wissen: Manches ist informativ oder witzig, engagiert und gut begründet. Hin und wieder entwickelt sich sogar ein Meinungsaustausch, der aller Ehren wert ist. Aber leider gibt es eben auch das Gegenteil: Das Niveau vieler Beiträge ist allzu oft unterirdisch. Da wird maximales Unwissen mit maximaler Gewissheit verbreitet. Und das allzu oft mit verbaler Radikalität, die sprachlos macht.

Beleidigungen, Verleumdungen, Bedrohungen, Volksverhetzung, Aufforderung zu Straftaten überschreiten eine Grenze dessen, was wir uns gefallen lassen dürfen. Ich stehe da voll hinter Bundesinnenminister Heiko Maas, der facbook, twitter, instagram gesetzlich in die Pflicht nehmen will, solche Beiträge auszusortieren. Richtig so! Hier müssen die Unternehmer aus dem Silicon Valley ihrer Verantwortung als Betreiber gerecht werden.

Aber was ist bis dahin, was ist mit dem, was juristisch kaum zu verfolgen ist, aber trotzdem die Grenzen der Meinungsfreiheit überschreitet? All die Hetze, der Hass, die Diskriminierung, das unsägliche Mobbing? Das vor allem junge Menschen regelrecht kaputt machen kann, und das sich auf den elektronischen Plattformen so viel schneller und weiter verbreitet als beim Mund-zu-Mund-Getuschel?

Die sogenannten „Hater", also Hasser, sind wohl in allen Altersklassen zu finden. Zwei Drittel aller im Rahmen einer aktuellen Studie (Forsa-Studie für die Landesanstalt für Medien NRW im Juni 2016) Befragten haben persönlich schon Hasskommentare im Internet gelesen. In der Gruppe der 14- bis 24-Jährigen sind es fast alle (91%).
Hier sind wir auch als Stadt Solingen, hier ist unsere ganze Stadtgesellschaft gefordert.„

Hate Speech“ - nein danke

Deshalb haben wir im Rathaus ein ganzes Paket geschnürt mit Aktionstagen, Podiumsdiskussionen, Filmvorführungen, mit Fort- und Weiterbildungen für Lehrkräfte, Beschäftigte der Kinder- und Jugendarbeit und sonstige Fachkräfte, aber auch Veranstaltungen für die Jugendlichen selbst. An alle gemeinsam richtet sich zum Beispiel die Veranstaltung "„You’'re the voice! - Mitmischen für Demokratie und Menschlichkeit"“ im Rahmen der Antirassismustage am 24. März im Technischen Berufskolleg.

In den Schulen startet ab Sommer eine Workshopreihe zum Thema Cybermobbing mit einem Angebot, wie man sich vor „Hate Speech“ schützt. Außerdem wird „"no-hate-speech“" vorgestellt, eine Jugendkampagne des Europarates.

Aufklären, Warnen, Informieren - das sind wichtige Bausteine im Umgang mit diesem so hässlichen wie gefährlichen Phänomen. Mindestens genauso wichtig ist aber auch, nicht still zu dulden, sondern diesem Mist aktiv etwas entgegenzusetzen. Ganz gemäß meinem Lieblings-Motto „Selbstbewusst. Solingen."

Auch dafür haben wir Ideen entwickelt, zum Beispiel "„No Hate - Create!", einen „Counter Speech-Wettbewerb“ der Schulen. Es geht darum, kreativ zu sein gegen Hass im Netz. Eine Möglichkeit wäre die Entwicklung so genannter Memes. Das sind knapp zusammengefasst Informationen, die sich durchsetzen und unabhängig vom Urheber immer weiter verbreiten, ob Bruchstücke von Melodien, Redewendungen, kurze Szenen, Zitate aus Filmen, Bildern, Büchern; oder Mode, Tanzstile, Youtube-Videos. Und die sich einsetzen lassen, um Toleranz, Respekt und Wahrhaftigkeit anzumahnen.

Das nutzt etwa auch die „Netzaktive "Bunt statt Braun"“ mit ihrer Counterspeech-Facebookgruppe „"Dem Hass einen Korb", die gegen Hetze im Netz antritt.
Ihre wichtigsten Regeln lauten:

1.) Bleibe immer höflich und sachlich.
2.) Halte dich an Tatsachen. Untermauere sie eventuell durch einen Link.

Dem ist auch außerhalb der sozialen Medien nichts hinzuzufügen.

Ihr und Euer

Tim Kurzbach
Oberbürgermeister