Starke Frauen

Stand 10.2017

Gelungene Beispiele animieren zur Nachahmung. Diese Erwartung steht hinter der Auszeichnung erfolgreicher Frauen im Bergischen Städtedreieck. Die vierte Ausgabe im Rahmen des Wettbewerbs „Frauen mit Profil" fand am 8. Februar im Solinger Kunstmuseum statt. Initiiert und koordiniert wird der Preis vom Kompetenzzentrum Frau und Beruf Bergisches Städtedreieck

Die drei Bergischen Oberbürgermeister würdigten die Preisträgerinnen, die eine Jury aus 27 Bewerberinnen ausgewählt hatte:

  • Fatiha Essinou
    Solingen
    „Vorbildhafte Unternehmerin"
  • Elena Gabriele Myrbach
    Wuppertal
    „Kreative Lösungen zur eigenen Existenzsicherung"
  • Barbara Westring
    Solingen
    „Leitung eines nachhaltigen Projektes für Frauen"
  • Helga Rübsamen-Schaeff
    Wuppertal
    Sonderpreis der drei Oberbürgermeister

Solingens Oberbürgermeister Tim Kurzbach sagte: „Indem wir Ihre Leistungen würdigen und öffentlich machen, wollen wir andere Frauen motivieren, es Ihnen gleich zu tun. Ihr Beispiel macht Mut und Sie sind Vorbild. Solche Vorbilder brauchen wir!"

50 Prozent derjenigen, die eine Hochschule abschließen, sind Frauen. Obwohl fast 42 Prozent aller Beschäftigten in Nordrhein-Westfalen weiblich sind, bleiben sie mit knapp 27 Prozent in den Führungsetagen deutlich unterrepräsentiert.

Solingen

Die Stadtverwaltung Solingen will als moderne und familienfreundliche Arbeitgeberin flexibel auf die Bedürfnisse verschiedener Lebens-Phasen reagieren.

  • Noch in diesem Jahr soll eine offene Betriebs-Kita direkt am Rathaus (auf dem jetzigen Parkplatz) ihren Betrieb aufnehmen.
  • Mit einem benachbarten Seniorenzentraum besteht eine Kurzzeitpflege-Kooperation, um Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Stadtverwaltung, die Angehörige pflegen, entgegen zu kommen.

Zum Beispiel Fatiha Essinou

Fatiha Essinou ist Inhaberin des Unternehmens „ESS Metall-Halbzeug"mit 6 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern in Solingen.

Bei ihrer Ausbildung zur Industriekauffrau erhielt sie Einblick in die Fertigung eines metallverarbeitenden Betriebs, für diesen war sie als Verkäuferin im Innen- wie im Außendienst tätig.

Mit 29 Jahren gründete die damals allein erziehende Mutter zweier Töchter ihr eigenes Unternehmen, das mit Stangen, Rohren, Blechen, Platten, Bändern und Profilen aus Alu, Messing, Kupfer, Bronze und Kunststoff handelt. Kunden sind kleine Unternehmen der verarbeitenden Industrie, bis zu internationalen Konzernen aus den Bereichen Maschinenbau und Elektroindustrie.

Ihre Kunden schätzen Zuverlässigkeit und direkte Betreuung durch Entscheider. Das, sagt die Inhaberin, sei oft entscheidender Wettbewerbsvorteil.

Ihre Selbstständigkeit, sei anfangs belächelt, dann verwundert zur Kenntnis genommen worden. Inzwischen begegne man ihr mit Respekt.

Als die Selbstständigkeit noch eine Idee war, lautete ein gut gemeinter Ratschlag eines potentiellen Lieferanten:

Mädchen, um in dieser Branche Erfolg zu haben, musst du rauchen wie ein Schlot, saufen wie ein Loch und aussehen wie ein Kerl. Das wird so nix. Mach mal lieber ne Boutique auf.

Heute stellt sie eindrucksvoll unter Beweis: Frauen können sich in Männerberufen sehr wohl behaupten, und dabei ist auch ein Migrationshintergrund kein Hindernis.

Fatiha Essinou sagt: Die meisten Hürden existieren im Kopf. Dagegen müssen wir angehen.

Deshalb ist sie Mitglied im Netzwerk Frauenbande Düsseldorf und engagiert sich im deutsch-arabischen Mentoring-Programm Oiussal, das arabische Frauen in der Selbstständigkeit fördert.

Zum Thema Frauenquote zitiert sie gern Elisabeth Schnabel, Mitglied im Sachverständigenrat zum Thema Frauenquote:

Es gibt genügend unfähige Männer in Spitzenpositionen Da verkraften wir auch ein paar Frauen.

Ihr Erfolgsrezept besteht aus Mut zum Risiko, Selbstbewusstsein, Verantwortungsbewusstsein, Freude an der Zusammenarbeit mit anderen, einer positiven Einstellung zum Leben und allem Neuen gegenüber.

Sie dankt aber auch ihren Eltern, die ihr als alleinerziehender Mutter ermöglicht haben, ein eigenes Unternehmen zu gründen und auszubauen.

Aus ihrer Abstammung aus einer eingewanderten Arbeiterfamilie leitet sie ihr Einfühlungsvermögen in Wünsche, Ängste, Sorgen und Bedürfnisse ihrer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ab, die sie mit Schulungen und Seminaren fördert und dabei unterstützt, Arbeit und Familie unter einen Hut zu bringen.