Starke Frauen

Gelungene Beispiele animieren zur Nachahmung. Diese Erwartung steht hinter der Auszeichnung erfolgreicher Frauen im Bergischen Städtedreieck. Die fünte Ausgabe im Rahmen des Wettbewerbs „Frauen mit Profil" fand am 6. Februar 2018 in der Klosterkirche in Remscheid statt. Initiiert und koordiniert wird der Preis vom Kompetenzzentrum Frau und Beruf Bergisches Städtedreieck.

Die drei Bergischen Oberbürgermeister würdigten die Preisträgerinnen:

  • Bärbel Beck
    Remscheid
    „Vorbildhafte Unternehmerin".
  • Selly Wane
    Wuppertal
    „Kreative Lösungen zur eigenen Existenzsicherung"
  • Kerstin Haag
    Solingen
    „Leitung eines nachhaltigen Projektes für Frauen"

Oberbürgermeister Tim Kurzbach hob in seiner Laudatio das Engagement Kerstin Haags, der diesjährigen Preisträgerin in der Kategorie "Nachhaltige Projekte für Frauen", hervor.

Die ausgebildete Werbekauffrau und studierte Diplom-Betriebswirtin ist seit 2005 als Tagesmutter tätig. Sie gründete gemeinsam mit ihrer Freundin und Mitstreiterin Katja Röltgen im Jahre 2009 die Interessengemeinschaft Solinger Tagesmütter, seit 2015 als Verein "Kindertagespflege Solingen e.V." mit ca. 70 Mitgliedern in Solingen aktiv.

Vieles hat sie seitdem bewegt: Sie hat Gespräche auf kommunaler wie auf Landesebene mit Politikern und Verwaltung geführt, sie ist im Jugendhilfeausschuss der Stadt wie auch im Landtag gehört worden und konnte der damaligen Bundesfamilienministerin, Kristina Schröder, persönlich ihr Anliegen unterbreiten.

Foto: Kerstin Haag   Die Preisträgerinnen 2018   Oberbürgermeister Kurzbach mit Frau Kerstin Haag

 

Preisträgerin des Jahres 2017: Fatiha Essinou

Fatiha Essinou ist Inhaberin des Unternehmens „ESS Metall-Halbzeug"mit 6 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern in Solingen.

Bei ihrer Ausbildung zur Industriekauffrau erhielt sie Einblick in die Fertigung eines metallverarbeitenden Betriebs, für diesen war sie als Verkäuferin im Innen- wie im Außendienst tätig.

Mit 29 Jahren gründete die damals allein erziehende Mutter zweier Töchter ihr eigenes Unternehmen, das mit Stangen, Rohren, Blechen, Platten, Bändern und Profilen aus Alu, Messing, Kupfer, Bronze und Kunststoff handelt. Kunden sind kleine Unternehmen der verarbeitenden Industrie, bis zu internationalen Konzernen aus den Bereichen Maschinenbau und Elektroindustrie.

Ihre Kunden schätzen Zuverlässigkeit und direkte Betreuung durch Entscheider. Das, sagt die Inhaberin, sei oft entscheidender Wettbewerbsvorteil.

Ihre Selbstständigkeit, sei anfangs belächelt, dann verwundert zur Kenntnis genommen worden. Inzwischen begegne man ihr mit Respekt.

Als die Selbstständigkeit noch eine Idee war, lautete ein gut gemeinter Ratschlag eines potentiellen Lieferanten:

Mädchen, um in dieser Branche Erfolg zu haben, musst du rauchen wie ein Schlot, saufen wie ein Loch und aussehen wie ein Kerl. Das wird so nix. Mach mal lieber ne Boutique auf.

Heute stellt sie eindrucksvoll unter Beweis: Frauen können sich in Männerberufen sehr wohl behaupten, und dabei ist auch ein Migrationshintergrund kein Hindernis.

Fatiha Essinou sagt: Die meisten Hürden existieren im Kopf. Dagegen müssen wir angehen.

Deshalb ist sie Mitglied im Netzwerk Frauenbande Düsseldorf und engagiert sich im deutsch-arabischen Mentoring-Programm Oiussal, das arabische Frauen in der Selbstständigkeit fördert.

Zum Thema Frauenquote zitiert sie gern Elisabeth Schnabel, Mitglied im Sachverständigenrat zum Thema Frauenquote:

Es gibt genügend unfähige Männer in Spitzenpositionen Da verkraften wir auch ein paar Frauen.

Ihr Erfolgsrezept besteht aus Mut zum Risiko, Selbstbewusstsein, Verantwortungsbewusstsein, Freude an der Zusammenarbeit mit anderen, einer positiven Einstellung zum Leben und allem Neuen gegenüber.

Sie dankt aber auch ihren Eltern, die ihr als alleinerziehender Mutter ermöglicht haben, ein eigenes Unternehmen zu gründen und auszubauen.

Aus ihrer Abstammung aus einer eingewanderten Arbeiterfamilie leitet sie ihr Einfühlungsvermögen in Wünsche, Ängste, Sorgen und Bedürfnisse ihrer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ab, die sie mit Schulungen und Seminaren fördert und dabei unterstützt, Arbeit und Familie unter einen Hut zu bringen.