Suchen und Hinhören

Stand 05.2019

Oberbürgermeister Tim-O. Kurzbach

Liebe Solingerinnen, liebe Solinger,

„wer suchet, der findet!" Dieses geläufige Motto, dem zur Osterzeit so viele auf spielerische Art folgen, genießt in der Bibel große Bedeutung. Wie sehr, das hat sich gerade vor wenigen Wochen wieder gezeigt, als es galt, den langjährigen Geschäftsführer des Diakonischen Werks, Horst Koss, zu verabschieden. Zu diesem Anlass hatte sich Horst Koss ein Bibelzitat aus dem Alten Testament gewünscht, an dem ihm viel liegt - es waren Worte des Propheten Jeremia, der sich einst ans Volk Israel gewandt hatte: „Suchet der Stadt Bestes (...) und betet für sie zum Herrn, denn wenn es ihr gut geht, so geht es auch euch gut."

Der Appell scheint mir hochaktuell. Er skizzierte bereits vor 2600 Jahren das Idealbild einer gelingenden Gesellschaft - mit drei bestechenden Kerngedanken: der Suche, dem Streben nach dem Besten für die Stadt - und der Hoffnung, dass es gut wird. Diese Hoffnung blüht gerade zu Ostern so auf. Sie lässt sich losgelöst von der Christlichen Lehre auf den Alltag eines jeden übertragen - ganz gleich, ob jemand glaubt oder nicht. Die Suche nach der Hoffnung lohnt sich an jedem Tag. Beherzigen wir dies doch einfach im täglichen Miteinander bei uns in Solingen!

1. Die Suche

„Suchen" bedeutet nicht „Wissen", ist unsicherer, verletzlicher. Aber Gott liebt die Zweifler, die mit den Fehlern. Er setzt nicht auf die, die immer und sofort zu jeder Frage eine passende Antwort haben. Er denkt nicht im Format der TV-Talkshows, wo derjenige den lautesten Applaus erhält, der am eloquentesten in kurzer Zeit ein bis zwei Botschaften unterbringen kann und vorgibt, alles genau zu wissen. Er twittert auch nicht mit den selbsternannten Lichtgestalten um die Wette, die mit maximal 280 Zeichen alles erklären und regeln.

Ich erkenne in meinem Amt immer mehr: Wir müssen besser zuhören, uns mehr Zeit nehmen - wichtige Zeit, um uns auf die Suche zu machen. Gestehen wir uns doch ein, dass wir auf viele Fragen keine Antwort haben, dass wir diese erst suchen müssen. Ringen wir darum, die besten Lösungen für Solingen zu finden. Miteinander!

2. Das Beste für die Stadt

Was ist das Beste an Solingen? Darüber lässt sich lange sprechen. Ist es Wald oder Gräfrath oder ist es Ohligs oder . . .? Brauchen wir zum Besten eine Treppe oder doch einen Kreisverkehr? Sind das Beste an Solingen die Klingen oder die Start Up's? Ist es der Sport, die Bildung oder die Natur? Die Liste der Fragen ließe sich endlos verlängern. Was also ist „Der Stadt Bestes"?

Wir haben vor zwei Jahren wieder ein Stadtmarketing für Solingen aufgebaut. Für die zentrale Botschaft unserer Stadt schälte sich schnell ein Gedanke ganz deutlich heraus: Das Beste an unserer schönen Heimatstadt sind die Menschen! Die Menschen machen Solingen aus. Es ist nicht perfekt, aber es ist nahbar und erlebbar. Damit hatte der Funke gezündet. Seitdem schreiben wir auf alle unsere Veröffentlichungen „Mensch! Solingen".

Erinnern wir uns zu Ostern: Auch Gott hat wirklich als Mensch gelebt. Versuchen wir, uns das nicht nur an hohen Feiertagen vor Augen zu halten! Jeder Mensch ist bei uns das Beste der Stadt - mit unverwechselbarer, einzigartiger Würde. Egal woher er oder sie kommt, wen er liebt oder woran sie glaubt, ob sie gesund ist oder er ein Handicap hat, ob sie einen Job besitzt oder er eine Lebenskrise durchmacht. Ich glaube zutiefst daran: Es sind die Menschen, die unsere Klingenstadt prägen!

3. Das Licht der Hoffnung

Auch wenn vieles in diesen Tagen dunkel und schwer erscheint: Wir Solingerinnen und Solinger dürfen uns nicht in ein Schneckenhaus zurückziehen nach dem Motto „Licht aus, Türe zu. Ist ja eh nichts zu machen." Gerade zu Ostern sollten wir die Botschaft des Lebens und des Lichtes nicht nur selbst verinnerlichen, sondern auch ausstrahlen. Ostern, das ist Auferstehung, das ist Hoffnung.

Wir haben und brauchen in Solingen Menschen, die aufstehen gegen das Unrecht. Die einstehen: für Frieden, für Gerechtigkeit, für die Bewahrung der Schöpfung, für ihre Überzeugungen. Ich setze mich mit aller Kraft für meine Stadt ein, suche nach dem Besten für Solingen - im Bewusstsein, dass ich in diesem Bemühen nicht alleine bin. Dafür danke ich Euch und Ihnen!

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen, Ihren Familien und Freunden eine frohe, gesegnete Osterzeit.

Ihr Tim-O. Kurzbach
Oberbürgermeister