Schützen wir unser Solingen!

Eine Neue Nachhaltigkeitsstrategie für die Zukunft der Stadt

Oberbürgermeister Tim Kurzbach

Liebe Solingerinnen und Solinger,

denken Sie zukunftsorientiert? Mit Sicherheit, werden Sie sagen. Also formuliere ich noch einmal etwas anders: Denken Sie heute schon wirklich nachhaltig? Denn auch wenn beide Fragen unterschiedlich klingen, zielen sie exakt auf denselben Kern. Wer überlegt, wie er schonend und besonnen mit unserer Welt umgeht, verhält sich klug und zukunftsorientiert. Anders ausgedrückt: Mit dem Blick auf die Welt von morgen, heute vernünftig zu handeln – das ist nachhaltig. Aber tun wir das in unserem Solinger Alltag wirklich schon in ausreichendem Maße? Ich erinnere mich an manches erstaunte Gesicht, als ich ankündigte, die Nachhaltigkeit zu einem Kernthema meiner Amtszeit als Oberbürgermeister zu machen. Schließlich hatte dies immerhin zur Folge, dass ich in meinem engsten Mitarbeiterstab die Aufgabe angesiedelt habe, für Solingen eine entsprechende Strategie zu erarbeiten – um diese dann auch schnell umzusetzen. Jetzt ist der Entwurf für diese Strategie fertig. Wir haben sie im Stadtrat vorgestellt. Es folgt nun die politische Beratung in allen Ausschüssen, die sich mit diesem Thema befassen. Ende Juni wird sich dann abschließend noch einmal der Stadtrat damit beschäftigen. Im Ergebnis hat Solingen dann einen Leitfaden und ein Handlungsprogramm, um hier in unserer Stadt ganz konkret damit zu beginnen, unsere Umwelt besser und schonender zu behandeln - das betrifft unser komplettes Lebens-, Wohn- und Arbeitsumfeld.

Dieser Schritt war wichtig und doch ist er nur ein Anfang: Denn wenn wir es wirklich ernst nehmen, dann führt das längst überfällige Umdenken nicht nur zu einem neuen Bewusstsein, sondern dann hat es für uns Solinger weitreichende Auswirkungen bis hinunter in unseren Alltag und unsere persönlichen Gewohnheiten.  „Wir haben die Erde nicht von unseren Eltern geerbt, sondern von unseren Kindern geliehen“, sagt eine indianische Weisheit. Sie ist aktueller denn je. Erhalten wir also auch unseren Kindern und Enkelkindern die Chance auf ein gutes Leben auf diesem Planeten. Eine zweite Welt im Keller haben wir nicht, falls wir diese hier zugrunde richten. Als Oberbürgermeister meiner Heimatstadt ist es mir eine Herzensangelegenheit nachhaltiges Denken und Handeln in Solingen fest zu verwurzeln. Aber auch persönlich als Vater meiner noch kleinen Söhne, will ich eines Tages gute Antworten geben können, wenn sie mich fragen, was ich dazu beigetragen habe, unsere Welt zu schützen. Ich will dann sagen können, dass wir rechtzeitig die richtigen Schritte gegangen sind.

Wir müssen uns bewusst machen, wo es wirklich hakt: Wir reden über Feinstaub, über Dieselfahrverbote, über mehr Solarenergie, über Plastikmüll, der die Meere verschmutzt - und währenddessen laufen wir mit dem Coffee to go über den Bürgersteig, der mit ausgespuckten Kaugummis gepflastert, wählen beim Einkauf die Kunststofftüte und verstopfen mit den Pappbechern die Abfalleimer. Zu Hause laufen Wasser und Laptop unnötig, während wir uns darüber beschweren, dass es der internationalen Politik nicht gelingt, die Welt-Klima-Ziele einzuhalten. Ein absurder Widerspruch: Im Großen sind wir voll dabei, während wir im Kleinen nicht wirklich hinschauen. Nachhaltiges Denken aber funktioniert genau andersherum: klein anfangen, um Großes zu bewirken. Die nun vorliegende Nachhaltigkeitsstrategie nimmt diese Haltung auf.

Um wirklich etwas zu bewirken, müssen wir ein Stück Bequemlichkeit aufgeben und mit manchen Gewohnheiten des Alltags brechen. Schon 2015 haben die Vereinten Nationen dafür in der „Agenda 2030 für Nachhaltige Entwicklung“ global gültige Ziele formuliert. Solingens erste Nachhaltigkeitsstrategie holt dieses Bestreben herunter zu uns in die Klingenstadt und liefert praktische Ansätze, um direkt vor unserer Haustür anzufangen. Heute, nicht morgen. Wir brauchen keine internationalen Gipfel und keine Impulse von oben. Mit unserer Strategie haben wir jetzt den Leitfaden, den wir benötigen. Jetzt gilt es zu handeln. Hier bei uns. Übernehmen wir Verantwortung für unsere Erde. Hier, wo wir mit unseren Familien und Freunden leben, wo wir jeden Tag unterwegs sind – hier haben wir die Chance, Dinge zu erhalten oder sogar zu verbessern. Umwelt, Klima und Energie, Mobilität, Arbeit und Wirtschaft, gesellschaftliche Teilhabe, Bildung, Finanzen, Kultur, Sport, Soziales, Sicherheit – überall gibt es Ansatzpunkte für mehr Behutsamkeit und Intelligenz im Umgang mit unseren Ressourcen. Über allem muss künftig der Dachgedanke der Nachhaltigkeit stehen. Er muss so selbstverständlich sein wie die Butter auf unserem Brot.

Solingen ist eine von 15 Modell-Kommunen in Nordrhein-Westfalen, die sich als Vorreiter für Nachhaltigkeit positioniert. Die Klingenstadt kann damit eine Strahlkraft erzeugen, die weit über die eigenen Grenzen hinaus wirkt. Als Oberbürgermeister, dem die Nachhaltigkeit von Beginn an eine Herzensangelegenheit war, macht mich das ausgesprochen stolz. Es war viel Vorarbeit notwendig. Mit dem Strategieentwurf, der dem Stadtrat nun vorgelegt worden ist, geht ein intensiver Prozess zu Ende, in dem sich Solinger Bürgerinnen und Bürger, Wirtschaft, Wissenschaft, Verwaltung und Politik knapp zwei Jahre lang mit den Fragestellungen beschäftigt und ausgetauscht haben. Ihnen allen gilt mein herzlicher persönlicher Dank für ihre „nachhaltige“ Arbeit, die in einem umfassenden Katalog mit Zielen und Handlungsvorschlägen zusammengefasst sind.

Jetzt müssen wir in Bewegung kommen und die Aufgaben Punkt für Punkt in den einzelnen Themenfelder abarbeiten. Dabei gilt es, den Kopf oben zu halten und stets nach vorne zu schauen. In einigen Bereichen sind wir schon weit auf dem Weg, zum Teil sogar bereits kurz vor dem Ziel. Ein Beispiel dafür liefert das „Integrierte Handlungskonzept Solinger Nordstadt“. Wenn es darum geht, inklusive Wohnangebote zu schaffen, die auch die Bedürfnisse junger Menschen mit geistiger Behinderung erfüllen, steckt die Entwicklung dagegen noch in den Kinderschuhen. Das verdeutlicht, wie weit gesteckt das Feld ist. Wir werden nicht alles schaffen, und einiges wird auch viel Zeit benötigen. Zumal die Machbarkeit immer auch von der Finanzierbarkeit abhängt. Umso wichtiger ist es, in unserer Stadt so viele Mitstreiterinnen und Mitstreiter wie möglich für die Nachhaltigkeitsbewegung zu gewinnen. Wir brauchen Sie! Machen Sie mit. Erkennen Sie die Bedeutung und bringen Sie sich ein. Das ist der Appell, den ich an alle Solinger richte. Von einer guten Mischung versprechen wir uns kreative Lösungen für ein nachhaltig zukunftsgerechtes Solingen.

Wir alle müssen uns neu ausrichten, damit wir unsere Stadt in einem besseren Zustand an künftige Generationen weitergeben können. Das gilt für uns in der Verwaltung, für die Stadtpolitik, für die Unternehmen und für uns alle im Privatleben. Der Impuls geht vom Rathaus aus. Lassen Sie uns nun gemeinsam daran arbeiten, dass Solingen zum Vorreiter und zum Vorbild einer lokal und global nachhaltigen Kommune in NRW und in Deutschland wird. Lassen Sie uns die Nachhaltigkeitsstrategie entschlossen umsetzen. Lassen sie uns diese Idee leben.

Mensch Solingen! Schau nach vorne. Gestalte die Zukunft unserer Stadt!

Es grüßt herzlich
Euer und Ihr

Tim-O. Kurzbach
Oberbürgermeister