Orte der Veränderung

Der Blaue Wald als Ort der Veränderung

100.000 Bäume für unseren Wald

Bürgerschaftliches Engagement unterstützt die Stadt!

  Blauerwald Infoschild Blauerwald

Gerade in unseren Wäldern ist die Veränderung, die der Klimawandel anrichtet, deutlich zu erkennen. Im Projekt Blauer Wald" wollen Menschen mit überzeugtem Engagement für Nachhaltigkeit und Klimaschutz zusammen anpacken, um diesen Ort wieder zum Besseren zu wandeln. Eine betretbare Fläche im Gräfrather Wald wurde definiert, um mithilfe von Spenden wieder aufgeforstet zu werden.

Urbane Fortwirtschaft ist mein Ding!"

Im Interview erzählt Benjamin Klask (Foto oben links) über den aktuellen Stand des Waldes in Solingen und neue Erkenntnissen bei den Themen Baumpflanzung und Wiederbewaldung/Aufforstung.  Benjamin Klask (35), ist seit November 2020 Revierförster der Stadt Solingen im Stadtdienst Natur und Umwelt. Er hat in Göttingen Forstwirtschaft studiert, seine Bachelorarbeit in Berlin geschrieben und in mehreren Bundesländern berufliche Erfahrungen gesammelt. Er sagt „Urbane Forstwirtschaft ist mein Ding!"
Bei weiterem Interesse oder Fragen können Ortstermine vereinbart werden:

  • Kontakt: wald@solingen.de.

1. Wie steht es um den Solinger Wald? Was hat sich durch den Klimawandel in den letzten 20 Jahren verändert?
Der Solinger Wald steht im Verhältnis zu anderen recht gut da. Das hat einen Grund: Laub- und Nadelholz sind gut durchmischt. In Solingen wurde schon früh damit begonnen, Flächen zu durchmischen, sodass wir auch eine gute Verjüngung des Baumbestandes erkennen können. Besonders der geringe Fichtenbestand, der bei unter 20 Prozent liegt, ist dabei hervorzuheben. Dafür gab es in der Vergangenheit große Umbaumaßnahmen, die sich aus heutiger Sicht gelohnt haben. Trotzdem hat der Borkenkäfer auch hier seine Spuren hinterlassen. Es liegen ungefähr 50 Hektar brach, die bewaldet werden müssen. In den letzten Jahrzehnten hat sich die Betrachtungsweise geändert: Früher wurde in Parzellen fortwirtschaftlich gedacht und gepflanzt. Heute sehen wir den Wald ganzheitlich und sprechen von einem Dauerwald, auf den Flächen ergibt sich eine Durchmischung von Baumart, Alter und Größe der Bäume. Dadurch ist der Wald stabiler, auch bei weiteren klimatischen Veränderungen. Die Schäden sind dann verteilter, sodass die Ökosysteme im Kleinen hauptsächlich erhalten werden können."

2. Welche Aktionen unterstützen unseren Solinger Wald?
Da gibt es beispielsweise die Aktion Blauer Wald. Es werden zweckgebundene Spenden gesammelt und damit Bäume zur Wiederbewaldung gepflanzt, so im Frühjahr und Herbst 2022. Das ist eine große Hilfe für den Solinger Wald. Dadurch gelingt es auch, die Situation des Waldes für viele Menschen erfahrbar zu machen. Schulklassen machen Projekte dazu und helfen, etwa bei der Flächenräumung. Kitas machen Ausflüge hierher, so werden schon die Kleinsten über den Wald- und Pflanzenschutz aufgeklärt. Selbst durch Sponsorenläufe werden immer mehr Menschen für das Thema sensibilisiert. Wir freuen uns über das rege Interesse und auch über die aktive Unterstützung. Auf tatkräftige Hilfe hoffen wir auch weiterhin. Vielleicht finden sich ja Klassen oder Gruppen, die sich um ein kleines Waldstück kümmern."

3. Wie steht es um die weitere Entwicklung des Solinger Waldes? Was sind die Herausforderungen in Solingen und in der Region? Wie kann eine Anpassung des Waldes an den Klimawandel erfolgen?
Solingen ist eine niederschlagreiche Stadt, trotzdem reicht die Wasserkapazität nicht aus. Entscheidend ist die Menge an Niederschlägen in der Vegetationsperiode. Vor allem die extreme Sommertrockenheit der vergangenen Jahre hat zu große Schäden geführt. So ist selbst in Solingen die Fichte als Baum, der viel Wasser braucht, nicht mehr haltbar. Wir benötigen Bäume, die trockenheitstoleranter sind, aber wir können nicht voraussagen wie sich die nächsten Jahre klimatisch entwickeln. Das haben wir ja in diesem Sommer gesehen. Mit so viel Wasser hatten wir nicht gerechnet. Bei der Bewaldung muss außerdem langfristig gedacht werden. Veränderungen finden hier in größeren Zeitabständen statt. Aus diesem Grund brauchen wir Wälder, die vielfältig sind und auf die jährlichen Gegebenheiten reagieren können. Ist der Sommer trocken, werden einige Bäume leiden, andere stehen es gut durch. Ist der Winter wiederum hart, leiden bestimmte Bäume, wieder andere fühlen sich wohl. Durch die Vielfalt an Art und Alter der Bäume, horizontal und vertikal, passieren weniger große Katastrophen. Das Ökosystem fällt nicht komplett an einer Stelle auseinander. Aber die Herausforderungen sind vielfältig. So verkleinert sich etwa das Zeitfenster für die Pflanzung, es darf nicht zu heiß und trocken sein, aber auch keinen Bodenfrost geben. Außerdem muss auch immer die rechtliche Seite im Blick behalten werden. Vom Wald gehen viele Wohlfahrtswirkungen aus, die im Einklang miteinander stehen und die es zu schützen gilt. Indem der Wald CO2 bindet, produziert er Holz - durch den Borkenkäferbefall jedoch weniger als zuvor. Er ist Lebensraum für die Tierwelt, da gibt der Artenschutz die gesetzliche Grundlage. Außerdem ist er Wasserfilter und -speicher, dafür steht der Wasserschutz. Zudem dient er der Erholung. Und natürlich wandelt er CO2 in Sauerstoff um und ist damit für unser gesamtes Ökosystem wichtig. Wir arbeiten immer entlang der wissenschaftlichen Erkenntnisse - da verändert sich einiges. So entwickeln wir etwa im Gesamtgebiet kleinere Strukturen, in die wir eingreifen und auch einiges ausprobieren können, wir sprechen da von „Klumpen". Das sind kleine Flächen von fünf bis sieben Metern in der Breite und in der Höhe, die gezielt gepflegt werden. In den anderen Räumen verjüngt sich der Wald natürlich."

4. Was kann man als Bürger*in darüber hinaustun, um dem Wald eine Verschnaufpause zu gönnen?
Wieviel CO2 stoße ich aus? Diese Frage muss sich jeder stellen. Das herauszufinden, ist mittlerweile ganz einfach und es gibt im Internet entsprechende Instrumente. Mit deren Hilfe kann jeder seinen CO2-Rucksack überprüfen - und verkleinern. Je höher die Temperaturen steigen, umso mehr entwickeln sich Schädlinge. beispielsweise die Borkenkäfer. Da werden dann die Flachwurzler wie Fichten zur Gefahr im Wald, da sie brechen können. Sie müssen dann besonders beobachtet und abgeholzt werden. Wir haben entschieden, die Fichte zu ernten. Sie wird in Solingen gesägt und verarbeitet und in Kooperation mit der Wirtschaftsförderung Solingen, den Technischen Betrieben Solingen, dem Stadtdienst Natur und Umwelt und einem lokalen Sägewerk z.B. zu Pflanzkübeln gebaut. So kommt das Holz städtischen Projekten zugute. Eine langfristige Holznutzung wird angestrebt, Kohlenstoff gebunden, lange Transportwege entfallen. Solche Wertschöpfungsketten sollte es auch bei anderen Produkten geben. Der Verbraucher kann auf Regionalität achten. Außerdem sollte man sich bemühen, weniger Müll zu produzieren. Beim Waldbesuch sollte man das, was man mitbringt, auch wieder mitnehmen und nicht dort liegen lassen. Und natürlich kann man spenden..."

5. Was wünschen Sie sich für die Zukunft?
Dem Ökosystem Wald sollte die Wertschätzung entgegengebracht werden, die es verdient. Wertschätzung verdienen aber auch meine Mitarbeitenden. Wir sind immer offen für Gespräche, halten uns an die Gesetze und arbeiten entlang der wissenschaftlichen Erkenntnisse. Dabei müssen wir langfristig in Schritten von 30 bis 50 Jahren denken und planen. Wir wünschen uns mehr Akzeptanz für das Thema, denn wir wollen deutlich machen, wie wichtig der Wald als Ressource ist."

Das Interview führte Elena Lazaridou vom FSI Forum für soziale Innovation, Solingen, im Dezember 2021.

Blauerwald Baumstämme  Blauerwald

alle Fotos auf dieser Seite im Juni 2021 beim Solinger Nachhaltigkeitstag: Rechte Stadt Solingen_Christian Beier


Die Spendenaktion

Die Dürren der vergangenen Jahre haben dem Wald auch in Solingen stark zugesetzt. Borkenkäfer konnten sich massenhaft vermehren, sodass in nahezu allen Fichtenbeständen erheblich Schäden entstanden sind. Die abgestorbenen Bäume müssen gefällt werden, damit keine Gefahr von ihnen ausgehen kann. Auf den freien Flächen soll aber wieder Wald entstehen - ein gesunder Mischwald, der an den Standort und den Klimawandel angepasst ist und der natürlichen Waldgesellschaft in diesem Naturraum entspricht. An manchen Orten hat die Natur bereits gute Vorarbeit geleistet: Unter den Fichten sind junge Bäume gewachsen, die sich nun entfalten können. Diese Entwicklung wird weiter unterstützt. An anderen Stellen gibt es solche natürliche Verjüngung nicht. Das bedeutet konkret: Auf rund 100 Hektar Wald im städtischen Besitz standen Fichten, die es nun nicht mehr gibt. Die Hälfte dieser Fläche muss wieder aufgeforstet werden. Das ist eine Mammutaufgabe, die trotz staatlicher Unterstützung kaum zu bewältigen ist.

Hier helfen gute Ideen und bürgerschaftliches Engagement. Eine solche Idee ist das Projekt, „Blauer Wald - 100.000 Bäume für unseren Wald". Es unterstützt die Wiederaufforstung mit dem Einwerben von Spendengeldern. Konkret geht es um eine Fläche in Gräfrath. Das Beispiel zeigt: Jeder kann mit Ideen und eigenem Tun einen Beitrag leisten und Veränderungen auf den Weg bringen, die unsere Stadt nachhaltiger gestalten. Das gelingt in Solingen bereits an einer Reihe von „Orten der Veränderung". Sie folgen der Nachhaltigkeitsstrategie der Stadt Solingen. Der „Blaue Wald" gehört dazu.

Ein neuer Wald entsteht natürlich nicht über Nacht. Zunächst müssen geeignetes Saatgut und junge Bäume gefunden und eingekauft werden, die Nachfrage ist zurzeit sehr groß. Dann muss sich das junge Grün entwickeln. Der „Blaue Wald" bietet eine perfekte Gelegenheit, das Wachsen und Werden über die nächsten Jahre zu beobachten und zu begleiten.

Sie möchten das Projekt mit Ihrer Spende unterstützen?

Die Stadt Solingen hat ein Spendenkonto eingerichtet: Stadt-Sparkasse Solingen
IBAN: DE85 3425 0000 0000 0027 66
BIC: SOLSDE33XXX
Verwendungszweck: Kassenzeichen 89920000016832

Hinweise

Wer eine Spendenquittung benötigt, muss auf der Überweisung Namen und Anschrift angeben. Grundsätzlich können Spenden bis zu 300 Euro ohne amtliche Spendenquittung beim Finanzamt eingereicht werden. Als Nachweis reicht der Einzahlungsbeleg (Kontoauszug).

Wo?

am Waldeingang am Ende der
Obere Holzstraße

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