Liewerfrau

Von Erlefried Hoppe

Bronze
eingeweiht am 13. September 1958

Die „Liewerfrau“ am Fronhof ist im Laufe von Jahrzehnten zu einem der Wahrzeichen der Stadt geworden, denn sie ist vielleicht die wichtigste Plastik mit Bezug zur Solinger Wirtschaftsgeschichte.

Gezeigt ist eine Frau in für ihre Zeit und ihren Berufsstand typischen Kleidung. Sie trägt einen Korb auf dem Kopf, der keinem anderen Zweck dient, als eine Last zu transportieren. Die leicht abgespreizten Arme zeugen realistisch vom Ausbalancieren des Gleichgewichts, wie es das Tragen einer nicht unerheblichen Last auf dem Kopf, wenn auch gepolstert durch einen Ring, erfordert.

Die Industriegeschichte Solingens war über lange Zeit von Heimarbeit in einer Vielzahl von Kotten als typischer Arbeitsstätte geprägt. Messer, Scheren und alles, was die Solinger metallverarbeitenden Betriebe hervorbrachten, wurden dort in einzelnen Arbeitsschritten hergestellt. Die jeweiligen Metallteile mussten folglich zum nächsten weiterverarbeitenden Schritt transportiert werden.

Dies war die Aufgabe der Liewerfrauen, die meist die Ehefrauen der Heimarbeiter waren. Sie übernahmen das, was wir heute Logistik nennen und waren somit unersetzlich, um einen raschen, reibungslosen Herstellungsprozess bis hin zur Auslieferung der fertigen Werkstücke zu gewährleisten. Mindesten bis in die Mitte der 20er Jahre des vergangenen Jahrhunderts erfüllten sie diesen Dienst, was in den 50er Jahren zu dieser Würdigung in Bronze führte.

Kunstwerke von Erlefried Hoppe in Solingen

ars publica
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