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Sitzungsvorlage: 547 - ROGER - Regionale Offensive gegen Erreger mit Resistenzen

Vorlagennummer547
Beratungsartöffentlich

Sitzungsvorlage und Anlagen

Sachverhalt


In der industrialisierten Welt haben Infektionskrankheiten stark an Bedeutung verloren. Einer der Gründe hierfür ist die Verfügbarkeit moderner Antibiotika. „Das Buch der Infektionskrankheiten kann nun endgültig geschlossen werden." verkündete 1972 die amerikanische Gesundheitsbehörde. Doch schon in den 1980er Jahren wirkten viele Antibiotika nicht mehr. Seitdem kann ein Wettrüsten zwischen Bildung neuer Resistenzen auf Seiten der Bakterien und der Entwicklung neuer Antibiotika auf der menschlichen Gegenseite beobachtet werden. Resistente Bakterienstämme setzen sich letztendlich durch, verbreiten sich von Mensch zu Mensch über die ganze Welt, und verursachen schwer behandelbare Infektionen. MRSA (Methicillin-resistenter Staphylococcus aureus) ist der zur Zeit prominenteste Vertreter resistenter Erreger.

In Deutschland ist die Häufigkeit des Auftretens von Krankenhausinfektionen durch resistente Bakterien im Vergleich zu den Niederlanden und skandinavischen Ländern hoch. Ca. 23% der nachgewiesenen Krankenhausinfektionen durch den Erreger Staphylokokkus aureus sind in Deutschland resistente Keime während es in den Niederlanden nur ca. 1% sind.
Strategien um diese Situation zu verbessern sind insbesondere im Euregio MRSA Netzwerk (Münster-Twente) seit 2005 gesammelt worden. Seit 2006 empfiehlt die Gesundheitsministerkonferenz flächendeckend regionale Netzwerke zu installieren um durch ein konsequentes gemeinsames Handeln der Beteiligten die Infektionsrate zu verringern.
2009 wurde eine Meldepflicht über den Nachweis von MRSA im Blut und Rückenmarkflüssigkeit im Infektionsschutzgesetz eingeführt. Das Infektionsschutzgesetz regelt im § 23 die Pflicht der Krankenhäuser die Resistenzlage in ihren Häusern zu erheben und zu bewerten. Diese Daten müssen der unteren Gesundheitsbehörde auf Verlangen vorgelegt werden.

Im Jahre 2008 haben sich die Gesundheitsämter Wuppertal, Solingen und Remscheid verständigt, ein regionales Netzwerk aufzubauen und zu koordinieren. Zunächst werden die erforderlichen Strukturen in den einzelnen Städten aufgebaut, die über Schnittstellen regional verknüpft werden. In Solingen haben sich im Rahmen des Projektes ROGER die Akteure im Gesundheitswesen zu einem Netzwerk zusammengeschlossen, das eine zwischen den verschiedenen Bereichen abgestimmte Vorgehensweise gegen die Verbreitung resistenter Erreger bezweckt.

Ziel des Netzwerkes ist das Etablieren von zwischen den Partnern abgestimmten Standards zur Vorbeugung, Erkennung und Behandlung von Infektionen durch multiresistente Erreger. Die Standards stützen sich auf die Säulen Surveillance, Hygiene und sachgerechte Therapie. Problemkeime sollen in ihrer Bedeutung und Verteilung im ambulanten und stationären Bereich erfasst und durch konsequente Infektionshygiene eingedämmt werden.

Das Erreichen der vorgenannten Ziele erfordert eine breit angelegt Informationsstrategie. Sie umfasst die Fort- und Weiterbildung der Akteure sowie Information der Öffentlichkeit. Betroffene Patienten und deren Angehörige benötigen Informationen und verlässliche, kompetente Ansprechpartner. Hier bündelt das Netzwerk die erforderliche regionale Kompetenz.


Entwicklung der Netzwerkbildung in Deutschland seit 2005

2006 Beschluss der Gesundheitsministerkonferenz zur Netzwerkbildung

2007 Abfrage des MAGS NRW zum MRSA-Management in Krankenhäusern

2008 Projekt DART = Deutsche Antibiotika Resistenz Strategie

2009 Ausschreibung der Förderinitiative des BMG für Modellprojekte zur Netzwerkbildung

01.07.2009 - Meldepflicht für MRSA-Nachweis aus Blut und Liquor (§7 Infektionsschutzgesetz ab 1.7.2009)

Projektpartner ROGER:

Meilensteine des Solinger Netzwerks

· 2006 Vorstellung von MRSA-Netzwerk-Arbeit in der Kommunalen Gesundheitskonferenz Solingen

· Beschluss der Gesundheitsämter Solingen, Wuppertal, Remscheid zur Gründung eines Bergischen Netzwerks: 11/08

· Kick-off in Solingen: 12/08

· Verpflichtungserklärung der Solinger Kliniken zur Teilnahme: 03/09

· Identifikation weiterer Netzwerkpartner: 04/09

· Konstituierende Sitzung der Lenkungsgruppe: 06/09

· Namensgebung "ROGER"

· Beschluss einer Geschäftsordnung

· Gründung der Arbeitsgruppen: Hygiene
Surveillance
Fortbildung/Öffentlichkeitsarbeit

· Projektarbeit in den Arbeitsgruppen:

- AG Hygiene: MRSA-Pass
- AG Surveillance: Erfassung Bewertung der lokalen Ausgangslage durch
Vereinheitlichung der Datenaufbereitung
- AG Öffentlichkeitsarbeit: Organisation der Auftaktveranstaltung am 23.04.2010

· Lenkungsgruppe
Leitung: Herr Eichenberg, Stadtdienst Gesundheit

· Arbeitsgruppe Hygiene
Leitung: Herr Dr. Merholz, Chefarzt St. Lukas Klinik

· Arbeitsgruppe Surveillance
Leitung: Herr Privatdozent Dr. Heinrich, Laborleiter Städt. Klinikum

· Arbeitsgruppe Fortbildung / Öffentlichkeitsarbeit
Leitung: Frau Koumoulidou, niedergelassene Internistin, Solimed

Vorgesehener Beratungsweg

Ausschuss für Soziales, Gesundheit, Wohnungswesen, Senioren und Beschäftigungsförderung, 11.05.2010